Kurs UMMS 2 Modul III Forts


Das Asperger Syndrom: soziale und emotionale Auswirkungen Fallstudie: Beth

Beth ist ein sechsjähriges Mädchen, das die Diagnose Asperger-Syndrom hat. Sie lebt mit einem älteren Geschwisterkind bei ihren Eltern und besucht die Klasse eines integrierten Kindergartens bei einer Vollzeit-Betreuerin. Sie hatte bereits mit 32 Monaten ein Frühinterventionsprogramm absolviert. Damals erhielt sie umfassende Leistungen, darunter Ergotherapie, Sprachtherapie und Einzelfallhilfe. Schwierigkeiten bei der Verarbeitung sensorischer Informationen wurden zuerst bei der Frühintervention bemerkt und behandelt. Beths Eltern wurden in bezug auf ihre Schwierigkeiten bei der sensorischen Verarbeitung aufgeklärt, und es wurde ihnen ein Aktivitätsprogramm für zu Hause gegeben, das die sensorische Verarbeitung verbessern sollte. Am Ende des Frühinterventionsprogramms, als Beth drei Jahre alt wurde, half der Einzelfallbetreuer, den Übergang in das öffentliche Schulsystem zu erleichtern.

Beth wurde durch die Schulbehörde beurteilt und kam in einen individualisierten Ausbildungsplan. Sie besuchte das integrierte Vorschulprogramm der Schule und erhielt wöchentlich eine Ergotherapie- und Sprachtherapie-Intervention. Die Sitzungen der Ergotherapie konzentrierten sich einmal pro Woche vor allem auf die Entwicklung feinmotorischer und vorschriftlicher Fähigkeiten und ein anderes Mal in der Woche auf die sensorisch-motorische Funktionsfähigkeit. Beth ist jetzt im Kindergarten der öffentlichen Schule, und sie erhält weiter zweimal pro Woche ergotherapeutische Leistungen.

Bevor sie Beth das erste Mal gesehen hatte, prüfte die Therapeutin eingehend Beths Beurteilung, die entsprechenden Tabellen und den Verlauf ihrer Störung (siehe dazu das Beurteilungs-Modul dieses Kurses). Die größten Sorgen der Eltern waren Beths extreme Reaktionen auf eine Reihe von Anforderungen oder Erwartungen, eine geringe Frustrationstoleranz, erhöhte Ängstlichkeit und Probleme bei Veränderungen. Diese Schwierigkeiten wirkten sich negativ aus auf Beths Fähigkeit zur Ausübung von Aktivitäten im Alltag wie etwa das Anziehen, ins Badezimmer gehen oder aus dem Haus gehen. Besondere Schwierigkeiten bei der sensorischen Verarbeitung bestanden insbesondere bei der Modulation, der Unterscheidungsfähigkeit, der Praxis, der Haltung, der Feinmotorik und der Visual-Motorik.

Es bestand Überempfindlichkeit gegenüber visuellen Reizen und hohe Ablenkbarkeit, selbstverletzendes Verhalten wie das Eingraben der Nägel in die Haut, Schwierigkeiten mit motorischen Aufgaben, die aus mehreren Schritten bestehen, Muskelschwäche, Schwierigkeiten mit Knöpfen, Verschlüssen und Reißverschlüssen an Kleidungen, Schwierigkeiten, die Buchstaben ihres Namens zu schreiben, Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Unterempfindlichkeit gegen Schmerz, bemerkt es nicht, wenn sie sich verletzt oder wenn sie hinfällt, ist sehr langsam beim Anziehen, hat geringe Ausdauer, schlechte Eßgewohnheiten aufgrund einer schwachausgebildeten Fähigkeit, das Besteck richtig zu benutzen, kann Menschen nicht im Zusammenhang zeichnen; hält keinen Augenkontakt, stößt ständig gegen Objekte auf ihrem Weg, hat Schwierigkeiten dabei, den Regeln eines Brettspiels zu folgen, tut sich schwer, beim Essen auf dem Stuhl zu sitzen, ohne den Stuhl nach hinten zu stoßen, tut sich schwer, Figuren wie Kreise, Rechtecke und Dreiecke zu zeichnen. Abwehrende Reaktion auf die Konsistenz und den Geschmack zahlreicher Nahrungsmittel, schwaches Gleichgewicht, was zu Hinfallen führt, wenn sie vom Bordstein auf die Straße geht, tut sich schwer, mehrstufigen Anweisungen für Kunstprojekte in der Schule zu folgen, tut sich schwer, den Spielplatz zu benutzen wegen fehlender Körperkräfte, hält Stifte ungeschickt und uneffizient, Schwierigkeiten, beim Schreiben und Malen auf der Linie bzw. im Rahmen zu bleiben. Überreaktionen bei Berührungen durch andere, Angst, wenn die Füße nicht auf dem Boden sind, tut sich sehr schwer mit Veränderungen, hält sich streng an Regeln und Zeiten, sehr wählerisch bei der Kleidung, tut sich schwer, wenn sie ins Badezimmer soll, akzeptiert keine Veränderungen bei den Aktivitäten.

Schauen wir uns nun die drei oben besprochenen Formen der Intervention an und folgen wir Beth durch ihre Intervention bei der sensorischen Integration.

Beths Interventionsprogramm

Leistungen der direkten Intervention

Als Beth mit der direkten Intervention begann, hatte sie mit der Therapeutin bereits in den ersten paar Sitzungen eine starke und vertrauensvolle Beziehung aufgebaut. Die Therapeutin traf sich mit Beths Eltern, und gemeinsam bestimmten sie die Ziele für die Intervention auf der Grundlage des Verhaltens, das sie verändern wollten (Klicken Sie auf die Links unten, um Beispiele für die Ziele für Beth in einer Microsoft Word- oder einer Adobe Acrobat-Version zu lesen. Wenn Sie das PDF-Format wählen, benötigen Sie den kostenlosen Acrobat Reader von Adobe.)

Ziele für Beth:

Beth Doc
Beth PDF


Die Therapeutin arbeitete dann mit Beth, um für sie "genau die richtige Herausforderung" zu erstellen, um die aufgestellten Ziele zu erreichen. Dabei wird eine Balance in dem Sinne erstrebt, daß die ausgewählten Aktivitäten auf der einen Seite herausfordernd und motivierend genug sind, damit die Betroffene sich auch anstrengt, um die Aktivitäten zu vollbringen, aber auch nicht zu herausfordernd, so daß die Betroffene nicht davon überwältigt oder entmutigt wird. Die Betroffene muß sich wohl, sicher (sowohl emotional als auch physisch) und beschützt durch den Therapeuten und die Umgebung fühlen.

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Die Therapeutin verwendete eine Vielzahl von Modalitäten, um Beth und ihrer Familie dabei zu helfen, die Ziele zu erreichen. Beispielsweise half sie Beth bei ihrer Überempfindlichkeit gegen leichte Berührungsempfindungen, einschließlich der Empfindlichkeit beim Essen, indem sie Aktivitäten verwendete, die festen, starken Druck auf ihren ganzen Körper ausübten. Dazu gehörten ein Häuschen mit Bällen, ein therapeutisches Programm zum Bürsten gemäß dem Wilbarger Protocol for Deep Touch Pressure (Wilbarger Anleitung für intensive Druckerfahrungen), große Stapel von Kissen aus weichem Material und einige Übungen zur oralen Motorik mit Strohhalmen, Pfeifen und Zahnbürsten. Mehr Informationen zu Patricia Wilbargers Brushing Protocol unter der Adresse http://www.pbb.net/wilbarger_brushing_protocol.htm.

Um Beth bei ihrer Angst vor Bewegungen und dabei, daß ihr im Auto schlecht wird, zu helfen, benutzte die Therapeutin eine Reihe von Schaukeln, die knapp über dem Boden angebracht waren, um ihr vestibulären oder Bewegungs-Input zu geben, der auf lineare und für sie nicht bedrohliche Weise erfolgt, sowie Klettergerüste und Sprung-Aktivitäten, um Beth zu helfen, mehr Informationen über die Lage ihres Körpers und Kopfes im Raum zu bekommen.

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Um die geringe Ausdauer, die Körperschwäche und das mangelnde Körperbewußtsein zu behandeln, führte die Therapeutin Beth zu Aktivitäten, die ihrem ganzen Körper eine hohe Anstrengungsleistung boten. Dazu gehörten das Springen in große Polsterstapel, das Ziehen an Seilen, das Tragen schwerer Objekte, zum Teil so groß wie ein Knautschsessel, das Hoch- und Runterspringen auf verschiedenen Oberflächen wie Matratzen und Trampolins. Diese Aktivitäten halfen auch dabei, die Haltungsstabilität und die allgemeine motorische Koordination zu verbessern. Über die ganze Intervention hinweg wählte die Therapeutin Aktivitäten, die "genau die richtige Herausforderung" für Beth boten und stellte sie entsprechend auf Beth ein.

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Beths Reaktionen auf die Intervention wurden bei jeder Sitzung beobachtet und in Therapieberichten aufgezeichnet. Die Therapeutin hielt dabei jeden Fortschritt, Rückschritt und jede Reaktion auf den jeweiligen sensorischen Input bzw. die Herausforderung fest. Alle drei bis sechs Monate wurde von Beths Eltern und der Therapeutin der allgemeine Fortschritt bewertet, und neue Ziele wurden nach Bedarf festgelegt. Beths Eltern und die Therapeutin setzten den Prüfungsprozeß fort, bis die Ziele erreicht wurden und die Therapie beendet war. Für Beth dauerte die Intervention ungefähr ein Jahr, und sie kam einmal in der Woche in die Klinik.

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Aufklärung der Eltern und der Lehrer

Beths Eltern trafen sich regelmäßig am Ende der Interventionssitzungen mit der Therapeutin, um die Fortschritte in Richtung auf die Ziele zu besprechen und um sie in bezug auf Beths Reaktionen auf sensorischen Input und darauf, wie dies ihr Verhalten beeinflußte, aufzuklären. Außerdem gab es formelle Treffen zwischen der Therapeutin und Beths Eltern, bei denen sie von Verhaltensweisen berichten konnten, die sie zu Hause beobachteten und die nach Erklärung und Hilfe verlangten. Am Ende der Interventionssitzungen gab die Therapeutin den Eltern für gewöhnlich eine Vorstellung dessen, was sich während der Sitzungen für Beth als hilfreich erwisen hatte und wie sie diese Interventions-Ideen zu Hause fortsetzen konnten. Beths Eltern lasen auch viel über sensorische Integration und nahmen an einer Vorlesung über sensorische Integration teil, um mehr Informationen darüber zu sammeln, wie man Beth am besten beim Erreichen der Ziele helfen konnte.

Beths Lehrer und Ergotherapeut an der Schule waren ebenfalls in engem Kontakt mit der Therapeutin und teilten mit ihr die Erfahrungen in bezug auf bestimmte Verhaltensweisen, die sie bei Beth in der Schule beobachteten, sowie die möglichen sensorischen Erklärungen dafür, was dagegen in der Vergangenheit versucht worden war und was sie nun versuchen konnten, um ihr dabei zu helfen, in der Klasse selbständiger zu werden. Gemeinsam beobachteten die Therapeutin, die Lehrer und Beths Eltern sorgfältig, welche Verbesserungen und Veränderungen es im Lauf der Zeit gab.

Sensorische Ernährung und Aktivitäten zu Hause und in der Schule

Die Therapeutin machte auch Vorschläge, welche Umgebungen Beths Familie zu Hause oder an der Schule bereitstellen konnte. Beispielsweise war eine der Schwierigkeiten von Beth, daß sie zu starken Wutausbrüchen und zu heftigen Reaktionen auf unerwarteten und lauten akustischen Input neigte. Die Therapeutin schlug vor, daß Beth gewarnt werden sollte, ehe es in der Schule zu Lärm kommen würde, etwa beim Feueralarm oder dem Pausenklingeln. Die Therapeutin schlug außerdem vor, daß Beths Eltern versuchen sollten, laute Haushaltstätigkeiten wie das Staubsaugen oder das Laufen der Universal-Küchenmaschine dann zu unternehmen, wenn Beth nicht zu Hause war oder in ihrem Zimmer war. Beth tat sich auch schwer damit, längere Zeit aufrecht auf dem Stuhl zu sitzen, wegen ihrem schwachen Muskeltonus und der schwachen Haltungsstabilität. Die Therapeutin schlug vor, daß Beth einen Stadionsessel oder ein Sitzpolster auf ihrem Stuhl benutzen sollte, um eine angenehmere und aufrechte Position zu ermöglichen und um sicherzustellen, daß der Sitz für den Schreibtisch die richtige Höhe hatte. Sie schlug auch vor, daß Beth alle 20 - 30 Minuten bei den Bewegungen eine Pause einlegen sollte, um ihrer Müdigkeit entgegenzuwirken, z.B., indem sie dann die Tafel wischte, Zettel austeilte, Bücher in die Bücherei brachte oder kurze physische Übungen machte, die der Lehrer für alle Kinder auf den Stundenplan setzte. Die Eltern, Therapeuten und Lehrer arbeiteten zu Hause, an der Schule und in der Klinik alle zusammen, um Beth dabei zu helfen, sich wohler zu fühlen und besser mit ihrer Umwelt umgehen zu können.

Da alle Seiten zusammenarbeiteten, hatte Beth bis Ende des Jahres sehr positive Fortschritte in der Therapie gemacht. Sie spielte in angemessener Form auf dem Spielplatz mit und fühlte sich wohl beim Klettern. Sie hatte nicht mehr jeden Tag heftige Ausbrüche als Reaktion auf laute Geräusche, und sie begann damit, das Malen mit Fingerfarbe und neue Nahrungsmittel zu erkunden. Auch Beths Ausdauer und Körperkräfte verbesserten sich, und sie war in der Lage, länger zu sitzen, und benötigte im Lauf des Tages weniger Pausen. Beth hat immer noch einige Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des sensorischen Inputs, doch besitzt sie in ihrer Familie und mit der Unterstützung an der Schule ein angemessens Maß an Funktionsfähigkeit. Die Aktivitäten sensorischer Kost und die entsprechenden Umgebungen wurden weiterhin sowohl zu Hause als auch an der Schule verwendet, und Beths Eltern und ihre Therapeutin tauschen sich wenn nötig aus, um erforderliche Veränderungen bei ihrer sensorischen Ernährung zu veranlassen. Beths Lehrer und ihre Therapeutin tauschen sich ebenfalls hin und wieder aus, um neu auftretende Verhaltensweisen zu besprechen und wie man ihnen am besten begegnet. So macht Beth weiterhin Fortschritte bei ihrer Fähigkeit, auf für sie angenehme und auf angemessene Weise zu Hause und an der Schule eine bessere Funktionalität zu gewinnen.

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Wenn man einen ersten Blick auf eine Sitzung einer Intervention für sensorische Integration wirft, kann es so aussehen, als ob der Therapeut einfach nur mit dem Betroffenen spielt und dabei eine Reihe von Schaukeln, Klettergerüsten und Kissen verwendet. Der Therapeut führt den Betroffenen vielleicht auf verschiedene Schaukeln und stellt für den Betroffenen verschiedene Teile zusammen, damit dieser hinaufklettern und seine Umgebung erkunden kann. Da es die Hauptbeschäftigung von Kindern ist zu spielen, ist es sinnvoll, daß der Therapeut das Spiel nutzt, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Nehmen wir beispielsweise einmal an, ein wichtiges Ziel einer Intervention sei es, das Gleichgewicht zu verbessern, um so die Sicherheit auf dem Spielplatz und den dortigen Geräten zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, wählt dann der Therapeut eine Aktivität, die den Betroffenen motiviert, das Ziel zu erreichen. Wenn das Kind sehr an Bewegung interessiert ist, dann wählt der Therapeut eine Schaukel, die stabil genug ist, so daß das Kind keine Angst bekommt und die Sicherheit des Kindes nicht darunter leidet, aber die Aufgabe wird auch nicht so leicht gemacht, daß sich das Kind langweilen und das Interesse verlieren würde. Der Therapeut kann dann die Herausforderung erhöhen, indem er zu Schaukeln wechselt, die weniger stabil sind und noch andere Aufgaben hinzufügt, etwa das Fangen und Werfen verschiedener Objekte.

Um die Kursziele zu verwirklichen, gibt es hier die interaktive Möglichkeit für Sie, eine sensorische Ernährung zu formulieren und umzusetzen. Zunächst müssen wir auf das Verhalten schauen, mit dem wir es zu tun haben, etwa dem Flattern mit den Händern. Dann bestimmen wir die sensorische Ursache dafür, warum dieses Verhalten stattfindet. Wird dieser Input aus einem bestimmten Grund gesucht, etwa, um die Konzentration auf eine Aufgabe zu erleichtern oder um die Körperwahrnehmung zu erhöhen? Sobald wir bestimmt haben, warum das Verhalten auftritt, versuchen wir einen angemesseneren Input anzubieten, damit das sensorische System besser organisiert werden kann. Bei der Person, die mit den Händen flattert, könnten wir vorschlagen, daß sie ein entsprechendes Objekt in der Hand drückt, anstrengende Tätigkeiten unternimmt, die mit dem Drücken oder Ziehen schwerer Objekte verbunden sind, oder wir bieten ein Objekt an, das diese Person in die Tasche stecken kann und das ihre Hände beschäftigt hält. In diesem letzten Abschnitt werden Sie Ihre eigene sensorische Ernährung auf der Grundlage verschiedener Verhaltensweisen formulieren können. Wenn die Intervention sowohl vom Therapeuten als auch vom Betroffenen (oder dessen Bezugsperson(en)) als abgeschlossen betrachtet wird, dann stellen wir gemeinsam eine sensorische Ernährung aus, die zum Lebensstil des Betroffenen paßt und die sich leicht durchführen und aufrechterhalten läßt. Ein Abschlußbericht wird dann verfaßt, der den Verlauf der Intervention beschreibt, die erzielten Fortschritte und die Umgebung, die erstellt worden ist, und mit diesem Bericht kann dann bei der weiteren Entwicklung der Fähigkeiten zur sensorischen Verarbeitung und der Funktionsfähigkeit in der Welt, in der wir leben, geholfen werden.

Beispiel der Planung einer sensorischen Ernährung:

Verhalten  Sensorische Erklärung Aktivitäten der sensorischen Ernährung  
  Flattern mit den HändenStreben nach einer Arbeit für Muskeln und GelenkeAnbieten von Spielsachen gegen Nervosität; Gymnastik an Stühlen oder Wänden; Tragen einer schweren Weste oder Decke  
Visuelle Stimulation, wie etwa mit den Fingern vor den Augen schnippen, Überfokussierung auf kleine Spielsachen, merkwürdige AugenbewegungenMultisensorische Empfindlichkeit, Verminderte vestibuläre Verarbeitung, Schwierigkeiten bei der visuellen WahrnehmungAnbieten einer intensiven, variantenreichen Umgebung; Begrenzung äußerer visueller Reize, Ausüben von Aktivitäten, die den visuellen Sinn mit Bewegung koppeln, z.B. Zielspringen von der Schaukel
Exzessives in den Mund nehmen und Kauen von nicht-eßbaren ObjektenVerminderte propriozeptive Verarbeitung, besonders des Mundes, Verminderte taktile Verarbeitung, besonders im MundBenutzung von stabilem Spielzeug, das auch zum Kauen geeignet ist; Benutzung eines Mini-Massagegeräts für den Mundbereich, Anbieten von kauintensivem und knusprigem Essen; man versuche starke Geschmacksrichtungen, wie Zitrone, Pfefferminz und Zimt
Schaukeln auf dem Stuhl oder SitzVerminderte vestibuläre Verarbeitung; verminderte propriozeptive Verarbeitung; starkes Bedürfnis nach RhythmusAnbieten eines Therapieballs zum Draufsitzen; Anbieten von Bewegungspausen im Tagesverlauf; Singen von rhythmischen Liedern, während die Person schaukelt oder sich bewegt, Anbieten eines Bewegungs- und Sitzkissens oder einer Unterlage für den Sitz (zu finden in Geschäften oder Versandkatalogen)
Schlagen mit dem Kopf und Flackern mit den OhrenVerminderte vestibuläre und propriozeptive VerarbeitungRegelmäßige Verwendung eines Therapieballs oder Mini-Trampolins, Anbieten von Gelegenheiten zu intensiver Bewegung im Lauf des Tages; Gymnastik an Stühlen oder Wänden; Den Betroffenen an Aktivitäten teilnehmen lassen, die einen starken vestibulären und propriozeptiven Input bieten, z.B. Schwimmen, Skifahren, Wandern, Fahrradfahren, Segeln, Schaukeln, Klettern usw.
Summen oder ähnliche Geräusche produzierenVerminderte propriozeptive und vestibuläre Verarbeitung; Verminderte auditive VerarbeitungMini-Massagegerät für den Mund, das Gesicht, die Ohren; Spielzeuge zum Blasen wie Pfeifen und Kaugummis, Tragen eines Walkman mit beruhigender Musik
An Dingen schnüffeln und schmeckenVerminderte Verarbeitung des Geschmacks- und GeruchssinnsAnbieten von starken Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Pfefferminz und Zimt
Dreht sich im KreisVerminderte vestibuläre Verarbeitung (besonders des Drehsinns)Anbieten von starkem rotierenden Input beim Sitzen und Drehen; Variieren von Richtung und Geschwindigkeit bei Bewegung der Schaukel: der Person die Hand halten, während sie sich im Kreis dreht
Beschwert sich über Kleidung, Haare waschen, Schneiden der Fingernägel und die Konsistenz des EssensTaktil defensivAnbieten von Druck auf den ganzen Körper, indem man die Person ganz in ein Laken oder eine Decke hüllt; Programm Therapeutisches Bürsten (das durch direkte Intervention überwacht wird); Drücken zwischen Kissen; Etiketten aus Kleidung entfernen; Kauf saumloser Socken; nur reine Baumwollstoffe verwenden; starken Berührungs-Input auf die Schultern beim Haare und Fingernägel schneiden geben; Lotion-Massagen
Wenig AugenkontaktVisuell defensiv bzw. überempfindlichReduzierung äußerer visueller Reize; der Person erlauben, auszureden oder zu Ende zuzuhören, ehe man Augenkontakt aufnimmt; der Person Bilder von Menschen zeigen, die bei der Party oder Veranstaltung sein werden, um sie mit einer Vielzahl von Gesichtern vertraut zu machen; Anbieten von starkem vestibulärem Input; Ermutigung zur Interaktion während der Bewegung
Schwierigkeiten bei der Bewahrung eines persönlichen FreiraumsVerminderte propriozeptive und vestibuläre VerarbeitungAnbieten eines Quadrats aus Kissen oder auf dem Teppich, das den Raum der Person kennzeichnet; die Person in der Schule vorne anstellen lassen; Anbieten von starkem propriozeptivem Ganzkörper-Input; Anbieten von starkem Bewegungs-Input beim Schaukeln, Sitzen, Drehen etc.
Stimme ist entweder zu laut oder zu leiseVerminderte akustische VerarbeitungTonbandaufnahmen der Stimme der Person, um ihr ein Feedback in bezug auf die Stimmlautstärke zu geben, Anbieten von Spielzeug zum Blasen, z.B. Pfeifen und Kaugummis; Hören von rhythmischer, beruhigender Musik per Kopfhörer
Irrationale Angst vor Höhe; starke Aversion gegen Bewegung; der Person wird beim Autofahren schlechtVerminderte visuelle und vestibuläre VerarbeitungAnbieten von kaubarem Essen oder Süßigkeiten beim Autofahren; gegen Übelkeit helfen Zitronen- und Ingwerbonbons; Anbieten eines sicheren Ortes, an dem die Person Klettern üben oder sich bewegen kann, ohne das andere anwesend sind; Kombinieren von vestibulären mit anstrengenden Aktivitäten und in der Nähe der Person bleiben, während sie sich bewegt.


Zusammenfassung

Personen mit Asperger Syndrom haben eine ganze Reihe von Bedürfnissen, und sensorische Integration ist nur einer von den vielen Interventionsansätzen, die diesen Menschen helfen können. Sie bedürfen oft anderer Interventionen, darunter Verhaltenstherapie, visuelle Therapie, Sprech- und Sprachtherapie, Aufbau sozialer Fähigkeiten, psychologische und neuropsychologische Intervention und Unterstützung beim Lernen. Es ist wichtig, daß die Therapeuten, Betreuer, Ärzte und Erzieher als Team zusammenarbeiten, um das Leben von Menschen mit dem Asperger Syndrom zu verbessern. Dadurch können Ideen zur Intervention geteilt und verstärkt werden. Es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, daß der Asperger-Betroffene selbst und dessen Familie den wichtigsten und entscheidensten Teil der Intervention darstellen. Wir helfen ihnen nur als Führer auf dem Lebensweg.

Literatur zu Modul III

1. Ayres, A. Jean (1972). Sensory integration and learning disorders. Los Angeles, CA: Western Psychological Services.

2. Attwood, T. (2003). Asperger Syndrome and motor clumsiness. Jacksonville, Fl.: Asperger Syndrome Coalition of the U.S.

3. Bundy, A. C., Lane, S. J. and Murray, E. A. (2002). Sensory integration theory and practice. (2nd Edition) Philadelphia: F.A. Davis Company.

4. Hall, K. (1988). Asperger Syndrome, the universe and everything. Philadelphia: Jessica Kingsley Publishers.

5. Mailloux, Z. (2001). Sensory integrative principles in intervention with children with Autistic disorder. In. S.S. Rolet, E. I. Blanche, & R.C. Schaaf (Eds.) Understanding the nature of sensory integration in diverse populations. (pp. 365-384), Tucson, Arizona.: Therapy Skill Builders.

6. Miller, L. J. & Summers, C., (2001). Clinical applications in sensory modulation dysfunction: Assessment and intervention considerations. Understanding the nature of sensory integration in diverse populations. (pp. 247-266), Tucson, Arizona: Therapy Skill Builders.

Williams, M.S. & Shellenberger, S. (1994). How does your engine run? A leader’s guide to the alert program for self-regulation. Albuquerque, NM: Therapy Works.

8. OTA-Watertown. www.otawatertown.com.

9. Wilbarger, P.& Wilbarger, J. (1991). Sensory defensiveness in children aged 2-12: An Intervention guide for parents and other caretakers. Santa Barbara, CA: Avanti Educational Programs.

Sie haben diesen Kurs abgeschlossen.

Wenn Sie aus beruflichen Gründen diesen Kurs gemacht haben (medizinisches, therapeutisches und psychologisches Fachpersonal), können Sie von der University of Massachusetts Medical School eine Teilnahmebestätigung erhalten. Schreiben Sie in englischer Sprache eine Mail an Dr. Ruth Smith (Ruth.Smith@umassmed.edu) und geben Sie an, wieviel Zeit Sie für diesen Kurs benötigt haben.

Der englische Name dieses Kurses lautet:
Sensory and Motor Problems in Individuals with Asperger’s Syndrome

Entworfen wurde dieser Kurs von:
Modul I: Charlane Pehoski, ScD. OTR/L, FAOTA
Modul II: Maxine Haron, MS, OTR/L
Modul III: Amy Delaney, MS, OTR/L

Übersetzung von Rainer Döhle.


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