Kurs UMMS 2 Modul II


Das Asperger Syndrom: soziale und emotionale Auswirkungen Modul II: Beurteilung sensorischer und motorischer Probleme beim Asperger-Syndrom:
Fragen, die die Bewertung, den Bewertungsprozeß, die Testverfahren und die Testumgebungen betreffen

Beschreibung des Themas

In diesem Modul wird die Beurteilung sensorischer und motorischer Probleme bei Menschen mit dem Asperger-Syndrom besprochen. Fallstudien, Übungen und Tabellen werden dem Leser helfen, den Bewertungsprozeß besser zu verstehen. Dieses Modul ist aufgeteilt in drei Abschnitte:
Der erste Abschnitt befaßt sich mit mehreren Themen, die mit sensorische und motorische Problemen zu tun haben wie die Identifizierung in der Umgebung einer öffentlichen Schule, die Frühintervention und die Unterschiede zwischen schuleigenen und privaten Bewertungen. Der zweite Abschnitt befaßt sich mit den Besonderheiten des Bewertungsprozesses wie der Identifizierung, der Überweisung, des Bewertungsverfahrens und der Programmplanung. Der dritte Abschnitt befaßt sich mit Tests und Testmethoden. Darin enthalten ist eine Diskussion formeller und informeller Tests sowie der Testumgebungen, die man bei einer Person mit Asperger-Syndrom verwenden kann.

Ziele:

Der/Die Lernende wird:
- besser in der Lage sein, die Bedeutung einer umfassenden Beurteilung sensorischer und motorischer Probleme zu verstehen;
- Zugang zu Methoden und Werkzeugen haben, um mittels Früherkennung sensorischer und motorischer Probleme helfen zu können;
- in der Lage sein, sachkundige und der Lage angemessene Entscheidungen zu treffen, bevor er eine Beurteilung sensorischer und motorischer Probleme für einen Menschen mit Asperger-Syndrom in die Wege leitet.


Fragen, die die Bewertung, den Bewertungsprozeß, die Testverfahren und die Testumgebungen betreffen

Teil I: Fragen, die die Beurteilung betreffen

Einführung

Wie wir in Modul I gesehen haben, haben viele Menschen mit Asperger-Syndrom sensorische und motorische Probleme. Wir haben ebenfalls gesehen, daß diese Probleme einen Einfluß auf soziale, Lern-, Freizeit- und Erholungsaktivitäten haben können. Dieses Modul untersucht die Informationen über die Identifizierung und die Bewertung dieser sensorischen und motorischen Themen: Verfahrensweisen, Methoden und Beispiele für die wichtigsten Hilfsmittel zur Beurteilung werden besprochen. Zur Sache gehörige Fragen und mit der Bewertung sensorischer und motorischer Probleme bei Asperger-Betroffenen verbundene komplexe Zusammenhänge werden ebenfalls behandelt.

Nehmen wir einmal die hypothetische Situation, die vermutlich vielen Lehrkräften in einer typischen Grundschule begegnen wird.

Mrs. Knolls, Susans Lehrerin der zweiten Klasse, machte sich seit einiger Zeit Sorgen um Susan. Susan schien ständig mit Einhörnern beschäftigt zu sein und trug die Nachbildung eines kleinen Einhorns immer bei sich. Sie schien wenig Kontakt mit den anderen Kindern in der Klasse zu haben. Sie konnte insbesondere bei Schreibarbeiten stören, wenn sie ständig nervös auf ihrem Stuhl hin- und herrutschte. Sie schien Schwierigkeiten beim Schreiben zu haben und hielt den Stift sehr ungelenk. Ihre Arbeit war oft unleserlich. Selbst bei warmem Wetter trug Susan immer eine Bluse oder ein langärmliges T-Shirt und schob die Ärmel bis über die Hände. Sie beschwerte sich oft, daß es in der Klasse zu laut sei und hielt sich die Ohren zu. Wenn man sie in der Turnhalle oder auf dem Spielplatz beobachtete, waren ihre Bewegungen besonders ungeschickt.

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All diese Beobachtungen machten Mrs. Knolls Sorgen, aber besonders besorgt war sie wegen eines Zwischenfalls, den sie auf dem Spielplatz beobachtete. An jenem Morgen machte Susan bei einer Gruppe Kinder mit, die herumlief und Fangen spielte. Obwohl sie scheinbar im Gruppenspiel beteiligt war, lief sie doch eher nur mit, um das Rennen selbst zu genießen und weniger, um wirklich mitzuspielen. Sie lief auch für ihr Alter ziemlich langsam.

Irgendwann in diesem Spiel näherte sich ihr ein Kind von hinten und berührte sie. Susan sah sehr überrascht aus und schrie dann: "Du willst mich erwürgen!" Das ärgerte Mrs. Knolls sehr. Dieses Verhalten fiel derart aus dem Rahmen, und so verstand sie nicht, warum Susan so reagierte. Auch die anderen Kinder regten sich auf und bekamen Angst. Das Kind, dem Susan vorwarf, daß es sie erwürgen wollte, wurde auch wütend und berichtete den Vorfall später zu Hause den Eltern. Mrs. Knoll wurde von den Eltern angerufen, die eine Erklärung verlangten. Was sollte sie tun?

Zu versuchen, Susan und die anderen Kinder nach diesem Ausbruch zu unterstützen, ist keine leichte Sache. Mrs. Knolls wußte, daß Susan erst kürzlich mit dem Asperger-Syndrom diagnostiziert worden war. Viele Menschen mit Asperger-Syndrom haben Schwierigkeiten beim sozialen Miteinander, reagieren langsam und zeigen emotionale Verletzlichkeit. Mrs. Knolls wußte auch, daß Susan eben erst begonnen hatte, Hilfe vom Schulpsychologen zu bekommen, um mit ihren Verhaltensproblemen fertig zu werden. Ihre erste Reaktion als Lehrerin war es wohl, diesen Schulpsychologen um Rat zu fragen, damit das Problem bestimmt und eine Lösung der Situation gefunden werden konnte.

Wenn der Schulpsychologe, an den sich Mrs. Knolls wandte, eine Verhaltensbeurteilung vornahm, könnte er zu der Erklärung bezüglich Susans Verhalten auf dem Spielplatz kommen, daß Susan die nonverbale soziale Interaktion und die sozialen Regeln nicht begreift. Daher könnte dieser Fachpsychologe, der die Verhaltensbeurteilung durchführt, dadurch intervenieren, daß er ein Programm entwickelt, das dabei hilft, die Susan sozialen Fähigkeiten an die Hand zu geben, die sie braucht, um beim Fangen mitspielen zu können.

Interventionsstrategien, die auf Verhaltensbeobachtungen basieren, sind oft nützlich und notwendig, um solchen Fragen zu begegnen. Doch alleine einen auf dem Verhalten beruhenden Ansatz zu verfolgen, kann dazu führen, daß sensorische und/oder motorische Defizite nicht erkannt werden. Zum Beispiel wird Susan, egal, wie oft man ihr die sozialen Regeln des Fangen-Spiels beibringt, immer negativ reagieren, wenn man sie bei diesem Spiel berührt, weil sie auf Berührungen trotz einer solchen Intervention immer überempfindlich reagieren wird. Sie wird sich vielleicht auch darüber ärgern, daß sie nicht schnell rennen kann und ihren Körper nicht schnell genug bewegen kann, um den Berührungen zu entgehen. Eine sensorisch-motorische Bewertung, zusätzlich zur Verhaltensbeurteilung, könnte es der Lehrerin und dem beteiligten Schulpersonal ermöglichen, die Ursachen für Susans Verhalten umfassender zu begreifen, und sie könnte somit eine mögliche Lösung, die für alle Beteiligten akzeptabel ist, eher herbeiführen.

Ein/e Ergotherapeut/in, der/die in der Erkennung von Sensorischen Integrationsstörungen (SIS) ausgebildet ist, wäre der geeignetste Fachmann, um bei diesem ersten Schritt bei der sensorisch-motorischen Beurteilung zu helfen. Die Sensorische Integration ist eine Theorie und ein Interventionsansatz, der auf dem Verständnis der zugrundeliegenden neurologischen Mechanismen beruht, die sich auf das Verhalten, das Lernen und die motorischen Fähigkeiten auswirken. Dies wird umfassender in Modul III besprochen. Der/Die Ergotherapeutin sollte auch Erfahrung, eine besondere Ausbildung und/oder einen Abschluß im Bereich der Diagnostik von sensorischen Integrationsstörungen haben. (Mehr zur Ausbildung von Ergotherapeuten im Bereich Beurteilung und Intervention von sensorischen Integrationsstörungen im Abschnitt Formelle Tests, weiter unten in diesem Modul).

Der Mediziner Dr. Larry Silver schreibt dazu: "Als ein Fachmann, der viele Kinder und Heranwachsende mit Lern-, Sprach- und sensorischen Integrationsproblemen beobachtet hat, erkenne ich, daß es von besonderer Bedeutung für jeden Fortschritt ist, den Eltern dabei zu helfen, die zugrundeliegenden neurologischen Probleme zu verstehen. Ohne dieses Wissen um die Schwierigkeiten des Gehirns und die sich daraus ergebenden Problemen in der Schule und im Leben können sie ihren Sohn oder ihre Tochter nicht verstehen und ihnen nicht so helfen, wie sie das möchten" (S. XV). (1)

Das Zusammentragen erster Informationen über Susans sensorische und motorische Probleme enthält in der Regel grundlegende Fragen, um ihre Verletzlichkeit und ihr störendes Verhalten besser zu verstehen. Beispiele für solche Fragen könnten sein: Ist Susan überempfindlich, wenn es um überraschende oder leichte Berührungen ihrer Haut geht? Zuckt sie zurück, wenn man sie überraschend am Rücken berührt? Macht ihr der Lärm etwas aus, den andere Kinder nicht als störend empfinden? Stößt sie sich öfter beim Gehen oder lehnt sie sich oft an Wände oder beugt sie sich über den Tisch? Lernt Susan neue motorische Fähigkeiten ebenso leicht wie andere Kinder (z.B. Springen, Hampelmann spielen, Seilspringen und ähnliche Spiele) oder lernt sie diese Dinge langsam oder überhaupt nicht?

Schauen wir uns wieder den Fall von Susan an, wo nunmehr der Lehrerin diese ersten Informationen zur Verfügung stehen. Wenn es angezeigt erscheint, kann eine formellere Beurteilung erfolgen, um die besonderen Schwierigkeiten zu bestimmen und eine Informationsgrundlage zu entwickeln, aufgrund derer dann der Bedarf für eine Intervention bestimmt wird. Durch die Ergebnisse dieser Beurteilung hätte dann Susans Lehrerin ein tieferes Verständnis darüber, warum Susan beim Fangen-Spiel so reagiert, wie sie es tut und warum sie sich bei anderen Klassen- und Schulaktivitäten so verhält. Sie würde verstehen, daß Berührungsempfindungen, auf die andere mormalerweise nicht reagieren würden, für Susan ungewöhnlich irritierend sein können. Es wäre möglich, daß Susan bei Berührungen so überempfindlich ist, daß jede plötzliche, von außen kommende Berührung, wie sie beim Fangen-Spiel vorkommt, zu einem emotionalen Ausbruch führen kann. Ein solcher Ausbruch wäre dann ihre Strategie, um sich selbst zu schützen.

(Beachten Sie: Einige jüngere Betroffene, die überempfindlich auf Berührungen reagieren, können auch auf physisch aggressive Weise reagieren, etwa, indem sie das andere Kind schlagen oder rempeln. Da Susan aber das Asperger-Syndrom hat und auch etwas älter ist, wird sie vielleicht eher verbal aggressiv reagieren und weniger physisch aggressiv, um sich selbst zu schützen).

Susans Bedürfnis, trotz des heißen Wetters langärmlige Sachen zu tragen, kann auch ein Mittel sein, ihre Arme vor unerwünschten Berührungsreizen zu schützen. Außerdem kann Susan Gruppen anderer Kinder deshalb aus dem Weg gehen, weil sonst die Wahrscheinlichkeit, unbeabsichtigt berührt oder angerempelt zu werden, größer wäre.

Susan scheint ein Mädchen zu sein, das gerne exzessive Bewegungsstimulation mag, so daß das Rennen auf dem Spielplatz ihr einen entsprechenden Input gibt. Vielleicht mag sie auch bestimmte Formen der Berührungsstimulation ihrer Wahl, so daß etwa das Herumfummeln an Dingen wie einem Einhorn ihren Händen und Fingern ein sensorisches Feedback liefern könnte. Susan ist vielleicht auch empfindlich bei wiederholten Hintergrundgeräuschen wie denen eines Ventilators oder einer Neonröhre. So, wie bestimmte Formen der Berührungsempfindungen zu einer Reizbarkeit führen, können auch diese Geräuschempfindungen zu einer vergleichbaren Reizbarkeit führen.

Susans Lehrerin und Eltern erkennen dann vielleicht auch, daß Susan einen geringen Muskeltonus hat, was dazu führt, daß sie eine leichte Muskelschwäche und einen Mangel an Ausdauer bei den Muskeln besitzt. Das heißt, ihre Muskeln sind vielleicht nur in der Lage, sich für kurze Zeit zusammenzuziehen, bevor sie schnell ermüden. Als Folge dessen muß sie sich vielleicht öfter gegen Wände lehnen, um sich abzustützen, oder sie findet es anstrengend, längere Zeit aufrecht auf einem Stuhl zu sitzen, wenn sie an einem Tisch sitzt. Daher muß sie immer wieder aufstehen, um ihrem Körper vermehrte Bewegungsstimulation zu geben. Die Schwäche ihrer Hand- und Fingermuskeln könnte auch dazu führen, daß sie den Stift ungeschickt hält.

Die Bewertungsinformation liefert auch Informationen über Susans geringe Fähigkeiten motorischer Planung und motorischer Koordination. (Mehr über motorische Planung in Modul III). Ihre Lehrerin und ihre Familie würden nun erkennen, daß Susan wegen ihrer schlechten motorischen Planung Schwierigkeiten hat, entsprechend schnell auf Richtungswechsel bei so schnellen Spielen wie dem Fangen zu reagieren. Eine schwache motorische Planung kann auch die Langsamkeit und Unleserlichkeit ihrer Schrift noch verstärken, weil sie bei jeder Bewegung ihres Stifts erst überlegen muß, ehe sie die Buchstaben bilden kann. Neue oder komplexe Bewegungen erlernt Susan nicht automatisch. Wenn sie versucht, eine neue Bewegung zu lernen, etwa beim Springen oder Hampelmann spielen, braucht sie vielleicht ständige Wiederholung, einen Schritt-für-Schritt-Ansatz und mehr Zeit als andere, um die Bewegungen zu erlernen.


Übung 1:

Gehen Sie zurück zum Anfang der Geschichte von Susan. Lesen Sie erneut die Beschreibung der Lehrerin von Susans Verhalten und Handlungen. Vervollständigen Sie nun Tabelle 1, indem Sie mögliche Erklärungen für das Verhalten in die Freiräume schreiben. Wenn Sie das getan haben, vergleichen Sie Ihre Antworten mit Tabelle 2. Hier sind Links, um Tabelle 1 und 2 entweder im Microsoft Word- oder im Adobe Acrobat-Format herunterzuladen. Wenn Sie das PDF-Format wählen, benötigen Sie den kostenlosen Acrobat Reader von Adobe.

Tabelle 1 Doc
Tabelle 1 PDF

Tabelle 2 Doc
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Fragen, die die Bewertung, den Bewertungsprozeß, die Testverfahren und die Testumgebungen betreffen

Teil I: Fragen, die die Beurteilung betreffen

Erkennung bei Kindern im Schulalter

Die meisten Betroffenen werden ebenso wie Susan nicht vor ihrer Grundschulzeit, also mit 5 bis 8 Jahren, als jemand mit sensorischen und/oder motorischen Problemen erkannt werden. Diese Verzögerung bei der Erkennung hat verschiedene Gründe.

Manchmal erklären Fachpsychologen und Eltern Probleme einfach als eine Art Unreife. Man hört oft, daß das Kind den Abstand zu den Altersgenossen "schon noch aufholen" werde. Die Anforderungen der Schule an das Kind steigen ab dem 5. Lebensjahr dramatisch an. Von Kindern wird oft verlangt, längere Zeit stillzusitzen und sich auf betimmte feinmotorische Aufgaben wie das Schreiben zu konzentrieren. Viele Kinder werden dann zum Kinderpsychologen geschickt, und die Probleme werden vielleicht als reine Verhaltensprobleme fehlinterpretiert.

Zusammenarbeit ist entscheidend, damit eine richtige Beurteilung erfolgen kann. Die US-Amerikanischen Regelungen, wie sie im Gesetz über die Ausbildung von Menschen mit Behinderungen (IDEA) niedergelegt sind, stellen sicher, daß jede Sonderausbildungs- bzw. Schul-Leistung von einer Gruppe bestimmt wird. Diese Gruppe arbeitet zusammen, um einen Individualisierten Ausbildungs- bzw. Schulplan (IEP) aufzustellen. "Die Betonung der Zusammenarbeit in einer Gruppe stellt sicher, daß der Bezugsrahmen, die Ergebnisse oder Empfehlungen eines einzelnen Fachmannes nicht die der anderen Gruppenmitglieder überstimmen können und daß die Verantwortung für den IEP eines Kindes nicht auf den Schultern eines einzelnen Mitglieds liegt. Die Verfahrensweisen bei der Ermittlung der sensorischen Integration, die Interpretationen und die Empfehlungen zur Intervention müssen innerhalb dieses Rahmens der Gruppenzusammenarbeit erfolgen" (S.9). (3)

Sobald einmal der Bedarf nach einer Beurteilung festgestellt wurde, muß eine Entscheidung getroffen werden, wer diese Beurteilung durchführen soll. Ergotherapeuten, die dafür qualifiziert sind, diese Art der Beurteilung durchzuführen, arbeiten normalerweise an einer öffentlichen Schule, in einem Frühinterventionsprogramm, in der Abteilung für Ergotherapie in einem Krankenhaus oder in einer Privatpraxis. Die Entscheidungen werden von verschiedenen Faktoren beeinflußt wie zum Beispiel der geographischen Lage oder der Abdeckung durch die Versicherung. Wenn sich Probleme im Umfeld der Schule ergeben, kann eine Beurteilung durch einen schuleigenen Ergotherapeuten angezeigt sein. Wenn aber Probleme sowohl zu Hause als auch in der Schule auftreten, können sich Eltern auch nach einer Diagnostik umschauen, die von einer privaten Einrichtung durchgeführt wird, die sich auf den Ansatz der sensorischen Integration spezialisiert hat.

Um sich zwischen einer schulischen und einer privaten Einrichtung zu entscheiden, ist es hilfreich, die folgenden Punkte in Betracht zu ziehen:

Schuleigene Beurteilungen

Schuleigene Beurteilungen sind in der Regel darauf ausgerichtet, daß das Kind sich in die schulische Umgebung einpaßt. Schuleigene Beurteilungen konzentrieren sich normalerweise auf bestimmte Fähigkeiten, die das Kind benötigt, um im schulischen Umfeld bestehen zu können, etwa eine Verbesserung der Wahrnehmungs- und feinmotorischen Fähigkeiten für das Schreiben. In manchen Fällen werden sich schuleigene Ergotherapeuten auch darauf konzentrieren, sensorisch-motorische Grundfähigkeiten zu entwickeln, wenn diese einen Einfluß auf die schulischen Leistungen haben. Die Stärken des Kindes werden bestimmt und genutzt, um seine Schwächen auszugleichen. Der Bedarf an Hilfsleistungen wird dann in Verbindung mit der erziehenden/ausbildenden Gruppe bestimmt.

Private Beurteilungen

In einer privaten Einrichtung konzentriert sich die Beurteilung auf die Funktionsfähigkeit des Kindes in allen Umgebungen, sowohl zu Hause als auch in der Kindertagesstätte, in der Schule und in der Gemeinde. Die Beurteilung konzentriert sich auch sowohl auf medizinische wie auf schulische Bereiche, auf die physische wie auf die psychologische Gesundheit. Die Beurteilung der motorischen Entwicklung, der Fähigkeiten beim Essen und bei der Selbständigkeit, des Sicherheitsbewußtseins, der Alltagsbewältigung und der organisatorischen Fähigkeiten gelten alle als Bereiche, auf die sich eine private Einrichtung konzentrieren würde. Wenn die Beurteilung im Umfeld einer öffentlichen Schule erfolgt, so geschieht sie aufgrund jüngster Änderungen im IDEA-Gesetz auf der Basis der Umwelt und der Betrachtung des Verhaltens in der natürlichen Umgebung. Beobachtungen oder Fragebögen über das Verhalten in natürlichen Umgebungen stehen immer an erster Stelle, wobei formelle oder andere informelle Bewertungen als Hilfe zur Bestimmung zugrundeliegender Probleme gelten. Beurteilungen, die in einer privaten Einrichtung erfolgen, beinhalten oft die Anwendung sowohl informeller wie auch formeller Tests, darunter Fragebögen, die das Verhalten in der Umgebung des Betroffenen untersuchen. Das Bewertungsergebnis basiert dann auf den individuellen Bedürfnissen des Kindes, auf seiner Testgeeignetheit, seinem Alter und auf den Gründen für die Überweisung. Manchmal stellt die private Einrichtung eine zweite Meinung neben dem Schultest bereit, so daß eher formalisierte Tests Verwendung finden.


Übung 2

Um einen einzigartigen Blickwinkel eines Elternteils eines Kindes, das diagnostiziert worden ist und eine Behandlung sowohl durch die Schule als auch durch eine private Praxis erhalten hat, zu erleben, klicken Sie hier:

Eine professionelle und persönliche Sicht auf Ergotherapie in der Schule und in einer privaten Praxis

Die Autorin ist Peggy Tryon, M. Ed., OTR/L. Der Inhalt dieser Aussagen bezieht sich auf amerikanische Verhältnisse (Anmerkung d. Übers.).


Teil I: Fragen, die die Beurteilung betreffen

Erkennung bei Kleinkindern im Alter von 0 - 3

Eltern, die um die Entwicklung ihrer Kinder und Babies besorgt sind, können Zugang zu qualifizierten Fachkräften durch ein Frühinterventionsprogramm bekommen. Frühintervention, wie sie das IDEA-Gesetz eingeführt hat, ist die Bezeichnung für ein Bundesprogramm, das Leistungen für bis 3jährige Betroffene zur Verfügung stellt. Manchmal sind schon bei der Geburt Entwicklungsprobleme offensichtlich, etwa bei Kindern mit Spina Bifida oder Down-Syndrom. Kinder mit diesen Diagnosen erfüllen normalerweise die besonderen Kriterien, die für die Gewährung von Frühinterventionsleistungen erforderlich sind. Wenn aber die Diagnose eines Kindes nicht so offensichtlich ist und dessen Probleme anfangs nicht diese besonderen Kriterien erfüllen, dann kann der Prozeß der Erkennung und der Hilfe durch angemessene Leistungen verzögert werden. Eltern können frustriert werden, weil sie nicht erkennen, was falsch läuft, doch sie können die Verhaltensweisen beschreiben, die ihnen Sorgen bereiten. Zum Beispiel sehen sie etwa merkwürdige Reaktionen auf sensorische Reize wie extreme Aufgeregtheit, Schreien beim Windelnwechsel oder wiederholtes Würgen beim Füttern von bestimmtem Essen. Manchmal beobachtet man auch, daß es den Kopf gegen das Bettgitter oder auf den Boden schlägt oder daß es verstärkt hin- und herschaukelt.

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Eine Geschichte der Früherkennung, Beurteilung und Intervention

Carol, die Mutter von 3 Jahre alten Zwillingsbrüdern hatte Probleme mit ihrem Sohn Bryan, seit dieser vier Monate alt war. Er war überempfindlich in bezug auf Badewasser und die Versuche, ihn mit festem Essen zu füttern. Sie suchte Hilfe bei ihrem Kinderarzt, der ihr aber sagte, sie müsse sich keine Sorgen machen. Dennoch, Bryan war gerade vier Monate alt, setzte Carol beharrlich ihre Suche nach jemandem fort, der ihr einige Antworten geben konnte. Sie erfuhr von einem örtlichen  Frühinterventionsteam, zu dem Ergotherapeuten gehörten, die in sensorischer Inegrationsbehandlung und Diagnostik ausgebildet waren. Nachdem sie das Baby beobachtet hatten und dessen Verhalten mit den Eltern besprachen, kam man zu dem Schluß, daß Bryan unter einer Störung der sensorischen Integration litt.

Bryans Fehlfunktion der sensorischen Integration zeigte sich auf verschiedene Weise. Er vermied Berührungsempfindungen, etwa das Gefühl von Sand, Gras und Schnee, würgte, wenn er Festes aß, hatte Schwierigkeiten, wenn sich beim Gehen der Boden änderte, er drückte seinen Kopf auf den Teppich und lief viel im Kreis, und er warf mit Spielsachen um sich, wenn er frustriert war, weil er nicht wußte, wie er mit ihnen spielen sollte. Carol las so viel sie konnte zum Thema sensorische Integration. "Ich habe sechs Monate gebraucht, bis ich mit seiner Diagnose klarkam und begriff, was es mit sich brachte," sagte sie.

Carol ist überzeugt, daß die Therapie dazu geführt hat, daß viele von Bryans ursprünglichen Symptomen nahezu verschwunden sind. Sie ist begeistert davon, daß er jetzt mit drei Jahren das Gefühl des Sandes, des Grases und des Schnees genießen und daß er jetzt auch eine größere Vielfalt an Essen zu sich nehmen kann. Er spielt besser mit den Spielsachen, und sein Gleichgewichtsproblem hat sich gebessert. "Bryan liebt dieses Jahr vor allem das Wasser. Er rennt in die Wellen, und wir halten ihn nicht zurück. Er hält sich vollkommen im Gleichgewicht!"
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Die Bedeutung der Früherkennung und die Erkennung eines sensorisch-motorischen Problems kann gar nicht stark genug betont werden. Temple Grandin, eine bekannte Autorin, die in der Öffentlichkeit auftritt, hat die Diagnose High-Functioning Autismus/Asperger-Syndrom. Sie schrieb über ihre Erfahrungen als kleines Kind:
"(Mit drei Jahren) ... passierten die Wutausbrüche auch, wenn ich müde wurde oder wenn es zu laut war, etwa, wenn bei einer Geburtstagsparty die Hupen losgingen. Mein Verhalten war wie bei einem kaputten Schalter. In der einen Minute ging's mir gut, in der nächsten Minute lag ich auf dem Boden, schlug um mich und schrie, als wäre ich eine wilde Raubkatze. ... Auch mit schaukeln und drehen konnte ich die Welt aussperren, wenn zu viele Geräusche bei mir zu einer Reizüberflutung führten. Schaukeln brachte mich wieder zur Ruhe. Das war wie eine Droge. Je mehr ich das tat, umso mehr brauchte ich es. Meine Mutter und meine Lehrer haben mich dann davon abgehalten, um mich wieder in Kontakt mit dem Rest der Welt zu bringen" (S. 44). (6)

Temple Grandin berichtet, daß ihre sensorischen und motorischen Bedürfnisse mißverstanden wurden. Sie glaubt fest daran, daß eine frühe Intervention sehr wichtig ist. Obwohl sie keine formellen Leistungen eines Frühinterventionsprogramms erhalten hat, hat sie starke Unterstützung, Verständnis und Anleitung von einigen Erwachsenen aus der Zeit ihrer Kindheit erfahren, darunter von ihrer Hauslehrerin.


Komplexe Fragen bei der Beurteilung von sensorischen und motorischen Problemen Betroffener

Betrachten wir einmal Susans Fall, den wir am Anfang dieses Moduls beschrieben haben. Ihr Verhalten ließ eine Beurteilung durch einen Fachmann geraten erscheinen, der in der Lage wäre, sowohl sensorische als auch motorische Schwierigkeiten, die mit ihren funktionalen Fähigkeiten zusammenhingen, zu erkennen. Wie gezeigt ist dieser Fachmann gewöhnlich ein Ergo- oder Physiotherapeut mit einer besonderen Ausbildung in der Diagnostik sensorischer Integrationsstörungen. Der/Die Therapeutin sollte sich auch der mit der Diagnostizierung von Menschen mit dem Asperger-Syndrom verbundenen Komplexität bewußt sein und auch der komplexen Fragen, wenn eine Fehlfunktion der sensorischen Integration beurteilt wird. Jeder Mensch hat seine eigene Art, sensorische Informationen zu verarbeiten. Probleme können auf konsistenter, folgerichtiger oder auf inkonsistenter, sprunghafter Basis auftreten. Sensorische Probleme, die die Emotionen und das Verhalten beeinflussen, tauchen eher inkonsistent auf. Motorische Probleme dagegen tauchen auf einer eher konsistenten Basis auf. Die beobachteten Muster reichen von solchen, die offensichtlich sind, bis zu solchen, die äußerst subtil sind. Äußere Variablen in der Umgebung wie Lärm oder grelles Licht sorgen für eine Unzahl an sensorischen Erfahrungen, die die Reaktion des/der einzelnen auf diesen sensorischen Input beeinflussen können. Interne Variablen wie Müdigkeit oder ein fehlendes internes Wissen darüber, wie sich der Körper bewegt, kann ebenfalls Auswirkungen darauf haben, wie ein Mensch die Fähigkeit koordinierter Bewegung entwickelt. Daher sollte eine sorgfältige Analyse, die sowohl formelle wie informelle Methoden benutzt, verwendet werden, um eine Diagnose der Fehlfunktion der sensorischen Integration zu erstellen. Ausgebildete Fachkräfte im Bereich der sensorischen Integration sollten sich dieser komplexen Fragen bewußt sein.

Diejenigen, die Beurteilungen vornehmen, sollten sich ebenfalls bewußt sein, daß selbst mit den heute verfügbaren klinischen Hilfsmitteln zur Diagnostik auch Fachleute nur Hypothesen darüber anstellen können, was die Ursache für ein zu beobachtendes Verhalten sein könnte. "Obwohl Neurowissenschaftler immer mehr über die sensorische Verarbeitung und das Verhalten verstehen, sind wir noch nicht in der Lage, eindeutige Ursache-Wirkung-Ketten zu bestimmen. Der neueste Stand der Diagnosetechniken spiegelt das wachsende Wissen in den Neurowissenschaften und deren Anwendung auf die sensorische Verarbeitung im Alltag wider" (S. 46). (7)


Teil I: Fragen, die die Beurteilung betreffen


Übung 3: Kontrollfragen zu Teil I

Welche vier Gründe gibt es, die zu einer verzögerten Überweisung für eine Beurteilung der sensorischen Integration bei den 5- bis 8jährigen führen können?

Was sind die drei wesentlichen Unterschiede bei den Beurteilungen durch eine schuleigene bzw. durch eine private Einrichtung?

Warum kann sich die Diagnose sensorischer Integrationsprobleme bei den bis zu 3jährigen verzögern?

Welches frühkindliche Programm könnte Beurteilungen in der frühen Kindheit bieten?

Welche ungewöhnlichen Reaktionen gibt es, die Eltern bei ihren Kindern und Babies sehen, die anzeigen, daß eine Beurteilung der sensorischen Integration angezeigt sein könnte?

Angenommen, jeder Mensch hat seine eigene Methode, den sensorischen Input zu verarbeiten; listen Sie dann drei komplexe Themen auf, die eine sorgfältige Analyse erfordern, bevor eine Diagnose einer Fehlfunktion der sensorischen Integration gestellt werden kann.


Antworten zu den Kontrollfragen, Teil 1:

Welche vier Gründe gibt es, die zu einer verzögerten Überweisung für eine Beurteilung der sensorischen Integration bei den 5- bis 8jährigen führen können?

Manchmal erklären Fachleute und Eltern Probleme als einen Teil mangelnder Reife. Bei vielen Kindern, die zu einem Kinderpsychologen gehen, werden die Probleme als reine Verhaltensprobleme interpretiert. Zum Zeitpunkt, an dem das Team zusammenkommt, liegen noch keine vollständigen Informationen vor. Auch die Tatsache, daß man zugrundeliegende Integrationsprobleme, die mit dem Schreiben zusammenhängen, nicht mit in Betracht zieht, können zu einer Verzögerung der Identifizierung führen.

Was sind die drei wesentlichen Unterschiede bei den Beurteilungen durch eine schuleigene bzw. durch eine private Einrichtung?

Schuleigene Beurteilungen:

Konzentration auf besondere Fähigkeiten, die das Kind benötigt, um in der schulischen Umgebung bestehen zu können, etwa feinmotorische oder Schreibentwicklung.

In manchen Fällen wird man sich auf die Entwicklung von sensorisch-motorischen Grundfähigkeiten konzentrieren, wenn diese sich auf Fähigkeiten auswirken, die die Leistungen in der Schule betreffen.

Der Bedarf für eine Leistung wird in Zusammenarneit mit dem ausbildenden Team bestimmt.

Private Beurteilungen:

Man konzentriert sich auf die Funktionsfähigkeit des Kindes in allen Umgebungen, zum Beispiel zu Hause, in der Kindertagesstätte, in der Schule und in der Gemeinde.

Man konzentriert sich sowohl auf medizinische als auch auf Ausbildungsfragen, die physische und die psychologische Gesundheit.

Zu den Bereichen der Beurteilung gehören motorische Entwicklung, Fähigkeiten im Bereich Essen und Selbständigkeit, Sicherheitsbewußtsein, Bewältigung von Alltagsproblemen und organisatorische Fähigkeiten.

Warum kann sich die Diagnose sensorischer Integrationsprobleme bei den bis zu 3jährigen verzögern?

Weil anders als bei offensichtlichen Diagnosen wie Spina Bifida oder Kinderlähmung die Frühdiagnose bei sensorischer Integration nicht so offensichtlich ist.

Welches frühkindliche Programm könnte Beurteilungen in der frühen Kindheit bieten?

Frühinterventionsprogramme.

Welche ungewöhnlichen Reaktionen gibt es, die Eltern bei ihren Kindern und Babies sehen, die anzeigen, daß eine Beurteilung der sensorischen Integration angezeigt sein könnte?

Extreme Aufgeregtheit, Schreien beim Windelnwechseln, wiederholtes Würgen bei bestimmtem Essen, mit dem Kopf gegen das Bettgitter oder gegen den Fußboden schlagen oder exzessives Schaukeln mit dem Körper.

Angenommen, jeder Mensch hat seine eigene Methode, den sensorischen Input zu verarbeiten; listen Sie dann drei komplexe Themen auf, die eine sorgfältige Analyse erfordern, bevor eine Diagnose einer Fehlfunktion der sensorischen Integration gestellt werden kann.

Probleme können auf voraussagbarer oder auf sporadischer Basis auftreten.

Die beobachteten Probleme können von offensichtlichen bis zu extrem subtilen Problemen reichen.

Äußere Variablen in der Umgebung und/oder innere Variablen können eine Person beeinflussen.



Teil II: Bewertungsprozeß: Identifizierung und Überweisung

Bei einer Beurteilung sensorisch-motorischer Probleme bei Menschen mit dem Asperger Syndrom gibt es mehrere notwendige Stufen. Der gesamte Bewertungsprozeß wird je nach Alter der Person und je nachdem, ob die Beurteilung in einer Schule, einem Krankenhaus oder einer privaten Einrichtung erfolgt, unterschiedlich sein. Jeder Prozeß wird in den folgenden Abschnitten detaillierter beschrieben.

Der erste Schritt bei einem Bewertungsverfahren ist die Identifizierung des vorliegenden Problems. Eltern, die den Verdacht haben, daß ihr Kind ein Problem hat, sind normalerweise diejenigen, die an diesem ersten Schritt teilnehmen. Carol Stock Kranowitz, der Autor von "The Out of Sync Child" meint, man solle zunächst seinem Instinkt vertrauen, der einem sagt, daß ein Problem vorliegt. Den Eltern empfiehlt sie, daß sie das Verhalten ihres Kindes zunächst beobachten und dann dokumentieren.

Die Dokumentation wird sowohl für das problematische Verhalten wie auch für das positive Verhalten empfohlen, das das Kind zeigt. Eine einfache Tabelle kann für diesen Zweck verwendet werden. Nachdem diese Tabelle ausgefüllt ist, sind die Eltern besser in der Lage, Muster zu erkennen und Probleme zu beschreiben, wenn sie schließlich bereit sind, die Überweisung an einen ausgebildeten Fachmann im Bereich der sensorischen Integrationsstörungen zu veranlassen. (Klicken Sie auf die Links unten, um Beispiele für mögliche Tabellen für einen achtjährigen Jungen anzusehen, der möglicherweise sensorisch-motorische Probleme hat. Wenn Sie das PDF-Format wählen, benötigen Sie den kostenlosen Acrobat Reader von Adobe).

Tabelle 3 Doc

Tabelle 3 PDF

Übung 4:

Verwenden Sie Tabelle 4, um die Beobachtungen zu einer Person zu notieren, bei der Sie vermuten, daß sensorische Integrationsprobleme vorliegen.

Tabelle 4 Doc

Tabelle 4 PDF


Wenn der Prozeß der Dokumentation nicht als Methode genutzt wird, um einem bei der Identifizierung zu helfen, können Eltern ihre Sorgen auch direkt mit Fachleuten und Berufspsychologen besprechen, denen sie vertrauen. Das können Lehrkräfte, Kinderärzte oder Mitarbeiter/innen einer Kindertagesstätte sein, die Ihre Kinder gut kennen. Eltern können sich auch an eine lokale Behörde wenden, die Ergotherapeuten für Kinder beschäftigt, um mit diesen ihre Probleme sowie die Frage zu besprechen, ob eine Überweisung zu einer sensorisch-motorischen Diagnostik angezeigt ist.Wenn es Freunde oder Mitarbeiter/innen einer Tagesstätte sind, die als erstes Probleme bei einem Kind bemerken, können sie ihre Beobachtungen zunächst mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten besprechen. Wenn den Lehrkräften Probleme auffallen, so gibt es im Umfeld einer öffentlichen Schule oft ein bestimmtes Verfahren zur Identifizierung und Überweisung. Beispielsweise kann die Lehrkraft darum bitten, daß eine informelle Beobachtung zunächst durch einen Ergotherapeuten oder durch andere Fachkräfte erfolgt.

Einige Programme und Schulen arbeiten mit einfachen Checklisten für Eltern, die diese ausfüllen können, um so bestimmen zu können, ob eine Beurteilung sensorisch-motorischer Probleme angezeigt ist. Klicken Sie auf die Links unten, um Beispiele für Checklisten aus dem Buch "Answers to Questions Teachers Ask About Sensory Integration" anzusehen. Wenn Sie das PDF-Format wählen, benötigen Sie den kostenlosen Acrobat Reader von Adobe.

Frühintervention Doc

Frühintervention PDF

Kindergarten Doc

Kindergarten PDF

Schule Doc

Schule PDF

Heranwachsende und Erwachsene Doc

Heranwachsende und Erwachsene PDF

Sobald das Problem identifiziert ist, haben Eltern und Familien verschiedene Möglichkeiten. Sie können nach der Devise "abwarten" vorgehen. Dieser Ansatz ist allerdings nicht ratsam, wenn die Möglichkeit besteht, daß die sensorisch-motorischen Probleme dem Alltag im Wege stehen. Dadurch könnte sich das Leben nur umso schwieriger gestalten.

Einige Quellen schlagen vor, die "sensorische Kost" des Kindes zu verbessern, bevor man eine Beurteilung vornimmt. Eine sensorische Kost umfaßt dabei zusätzliche sensorische Aktivitäten in der täglichen Routine des Kindes, um ihm zu helfen, ein Optimum an Wachsamkeit und Vorsicht zu erreichen und auch um den Streß zu vermindern. Es gibt mehrere Quellen für die Eltern, um deren Verständnis für die Wirksamkeit und die heilende Wirkung einer sensorischen Kost zu verbessern (siehe die englischsprachige Seite http://www.alertprogram.com). Doch die Aufstellung einer wirksamen sensorischen Kost, die sich speziell auf bestimmte Probleme richtet, kann am besten mit der Unterstützung eines/r Ergotherapeuten/in aufgestellt werden, der/die über das Fachwissen und die Erfahrung bei diesen Programmen verfügt und auch über ein tiefes Verständnis des Kindes. Sensorische Kost-Programme werden normalerweise angeboten, nachdem die Bewertung der sensorisch-motorischen Probleme abgeschlossen ist. Eine sensorische Kost sollte kein Ersatz einer direkten Intervention darstellen. Mehr über die sensorische Kost in Modul III.

Sobald klar ist, daß es sich bei dem Problem wahrscheinlich um ein sensorisches und/oder motorisches Problem handelt, ist es wichtig, daß eine Überweisung an eine/n Ergotherapeuten/in erfolgt, um das Screening und/oder die Beurteilung abzuschließen. Fachleute dafür lassen sich finden im Bereich der Ergotherapeuten für Frühintervention oder an öffentlichen Schulen, bei der Abteilung für Ergotherapie des örtlichen Kinderkrankenhauses, bei Privatärzten, die im Telefonbuch stehen oder bei der Amerikanischen Gesellschaft für Ergotherapie (in Deutschland z.B. bei http://www.ergotherapie-dve.de).

Teil II: Bewertungsprozeß: Durchführung eines Screenings und/oder einer Beurteilung

Sobald die Überweisung für eine Beurteilung erfolgt ist, ist es die Rolle des/der Ergotherapeuten/in, den nächsten Schritt beim Bewertungsprozeß zu tun, nämlich das Screening und/oder die Beurteilung.

Das Screening für sensorische Integrationsprobleme ist ein Verfahren, das nur dreißig Minuten zur Durchführung benötigt. Eine ausgebildete Fachkraft unternimmt das Screening normalerweise, um zu bestimmen, ob eine vollständige Beurteilung erforderlich ist. Ein schriftlicher Bericht ist dabei oft nicht nötig. Der Screenende sieht sich alle vorhandenen Informationen aus der Überweisung an und führt dann das Verfahren durch. Er oder sie kann dann leicht die verbale Information an mitbetroffene Personen wie Eltern, die Familie, Lehrkräfte und Ärzte/-innen weitergeben. Manchmal, wenn durch den anfänglichen Überweisungsprozeß genügend Informationen vorliegen, erfolgt kein Screening, und eine vollständige Beurteilung kann beginnen.

Eine Beurteilung ist ein umfassenderes Verfahren als ein Screening. Der/Die Diagnostizierende muß die Informationen aus der Überweisung genau durchgehen, er/sie führt Beurteilungsverfahren durch, klärt das vorliegende Problem und bereitet dann einen schriftlichen Bericht vor. Oft wird eine Unterredung mit den Eltern und/oder mit Fachkräften geplant, um die Ergebnisse zu besprechen. (Mehr über die Testverfahren in Teil III dieses Moduls).

Oft ist eine Neubewertung nach der ursprünglichen Beurteilung notwendig. Ein entsprechender Bedarf hängt von der Situation im jeweiligen Einzelfall ab. Es kann erneut formell getestet werden, um den weitergehenden Bedarf nach Intervention und das Maß, in dem Fortschritte seit Beginn der Intervention erzielt worden sind, zu bestimmen oder um umfassender neuauftretende Probleme zu bewerten.

Ein formeller Test kann stattfinden oder unterbleiben, wenn die Ergotherapeutin den Fortschritt des Betroffenen während eines Interventionsprogramms überprüft. Manchmal geschieht dies auch nur auf informeller Basis. Ein Beispiel für eine informelle Neubewertung ist die Prüfung der ursprünglichen Ziele durch Gespräche mit den Eltern oder durch die Beobachtung des Betroffenen bei bestimmten Aufgaben, die in den Zielen festgelegt wurden.

Modul II: Beurteilung sensorischer und motorischer Probleme beim Asperger-Syndrom:
Fragen, die die Bewertung, den Bewertungsprozeß, die Testverfahren und die Testumgebungen betreffen

Teil II: Bewertungsprozeß: Programmplanung

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Sobald die Beurteilung abgeschlossen ist, beginnt die Programmplanung. Die Programmplanung ist der letzte, wichtige Schritt, bevor die direkte Intervention angeboten wird. Dieser Schritt kann durch den/die Ergotherapeuten/in abgeschlossen werden, der/die den Test geleitet hat. Auch die Eltern, Lehrkräfte und Ärzte/innen können zur Programmplanung beitragen. Die Programmplanung umfaßt die Prüfung der Ergebnisse der Beurteilung und die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Personen zur Entwicklung eines umfassenden Interventionsprogramms. In einer schulischen Umgebung werden die Informationen für die Programmplanung normalerweise bei einer Teamzusammenkunft ausgetauscht, bei der sich die Eltern und die betroffenen Mitarbeiter/innen treffen, um sich die Ergebnisse anzuhören und um selbst etwas beizusteuern. In einer privaten Einrichtung werden die Informationen normalerweise mit den Fachkräften ausgetauscht, die das Kind und die Familie getestet haben.

Ein kompletter Programmplan sollte das aktuelle Leistungsniveau darstellen, Ergebnisse vorhersagen und Richtungen für Interventionen angeben. Diese Komponenten sollten auch in formeller, schriftlicher Form angeboten werden. Am hilfreichsten wäre es, wenn das aktuelle Leistungsniveau sowohl in den Stärken wie in den Schwächen präsentiert wird und die funktionalen Resultate mit den Ergebnissen der Beurteilung in Beziehung gesetzt werden.

Ein Beispiel für einen Programmplan finden Sie später in diesem Kurs in Modul III.

Teil III: Testverfahren und Testumgebungen

Wegen der komplexen Fragen in bezug auf Menschen mit dem Asperger Syndrom, die auch unter sensorischen Integrationsstörungen leiden, sollte ein umfassendes Testprogramm vorgenommen werden. Daher sollten die Fachkräfte, die die Tests leiten, über eine große Vielfalt von Tests verfügen, aus der sie auswählen können. Die Testverfahren bestehen normalerweise aus zwei Hauptgruppen: formelle und informelle Verfahren. (Klicken Sie auf die Links, um eine vollständige Tabelle Formeller und Informeller Testverfahren herunterzuladen. Wenn Sie das PDF-Format wählen, benötigen Sie den kostenlosen Acrobat Reader von Adobe).

Liste der Testverfahren:

Liste Doc

Liste PDF

Therapeuten können sowohl formelle als auch informelle Tests verwenden, um ein Kind mit motorischen und sensorischen Problemen zu bewerten. Formelle Tests beinhalten genormte und standardisierte Instrumente, die das Profil des Betroffenen mit den Profilen Gleichaltriger mit normaler Entwicklung oder mit üblichen Bezugspunkten vergleichen. Informelle Tests bestehen aus Bestandsaufnahmen, Checklisten, Gesprächen und Beobachtungen, die nicht auf dem Vergleich von Ergebnissen mit einer Vergleichspopulation beruhen. Informelle Tests werden oft durch den/die praktizierende/n Ergotherapeuten/in innerhalb des Umfelds aufgestellt oder angepaßt, um bestimmte Fähigkeiten oder Beobachtungen zu messen. Formelle Tests werden normalerweise von Fachkräften entworfen und verbreitet, um sie auf nationaler und internationaler Grundlage zu verwenden.

Formelle Tests und Testverfahren

Im Hinblick auf sensorische Integrationsprobleme können sich Therapeuten für die Verwendung des Sensorischen Integrations- und Praxis-Tests, SIPT, entscheiden. Der SIPT ist die umfassendste Testreihe für sensorische Integration und Praxis bei Kindern, und er ist ein standardisiertes Hilfsmittel für Kinder im Alter von vier bis neun Jahren. Auf dem Gebiet der Ergotherapie ist es einer der komplexesten und ausgeklügeltsten Tests, die es für Therapeuten gibt. (Der Begriff Praxis beinhaltet Probleme der motorischen Planung. Wie bereits erwähnt, wird dies in Modul III ausführlicher behandelt).

Ein/e Ergotherapeut/in, der/die einen Abschluß im Bereich sensorischer Integration besitzt, hat eine fortschrittliche Ausbildung im Bezugsrahmen der sensorischen Integration absolviert, einschließlich der Leitung und Interpretation des SIPT.

Dennoch kann, wegen der hohen Detailliertheit und des erforderlichen extensiven Trainings die Verwendung des SIPTs als ein Bewertungsverfahren bei einigen Umgebungen untauglich sein. Ergotherapeuten in einem solchen Umfeld wie einer öffentlichen Schule verwenden aus diesen Gründen oft nicht den SIPT. Auch ist die Verwendung des Tests außerhalb Nordamerikas untauglich, weil die verwendeten Normen außerhalb dieser Region nicht gültig sind. Daher sollten diejenigen, die in solchen Umgebungen tätig sind, ihr Wissen über die Theorie der sensorischen Integration, klinische Beobachtungen der Fähigkeiten der sensorischen Verarbeitung und der Praxis, Gespräche, sowie hochentwickelte Bewertungsfähigkeiten verwenden.

Wenn Sie mehr über den SIPT und die erforderlichen Abschlüsse erfahren wollen, wenden Sie sich an die Western Psychological Services, die den Test herausgeben.

Eine der neuesten formellen Beurteilungen für sensorische Integrationsstörungen ist das Sensorische Profil. Dabei handelt es sich um einen Fragebogen, in dem Lehrkräfte bzw. Eltern gebeten werden, das Verhalten des Kindes in einer Vielzahl von Situationen zu beschreiben. Es ist ein genormter Fragebogen, so daß die Antworten auf die Fragen mit den Antworten der Eltern "normaler" Kinder verglichen werden können. Das ist eine besonders bedeutende Möglichkeit, die sensorischen und motorischen Verhaltensweisen im Vergleich mit einer Normalpopulation von Kindern zu vergleichen. (Gehen Sie zu www.SensoryProfile.com, um mehr darüber zu erfahren).

Im Hinblick auf motorische Beurteilungen sind die beiden gebräuchlichsten Verfahren die Peabody Developmental Motor Scales (Peabody-Skalen zur motorischen Entwicklung) und der Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency (Bruininks-Oseretsky-Test zur motorischen Geschicklichkeit). Die Peabody-Skalen zur motorischen Entwicklung sind ein Test, der bei der Frühintervention und bei Vorschulprogrammen verwendet wird und dabei hilft, das Maß der feinmotorischen, wahrnehmungsmotorischen und grobmotorischen Funktionsfähigkeit zu bewerten. Der Bruininks-Oseretsky-Test zur motorischen Geschicklichkeit wird in Grundschulen und Mittelstufen verwendet, um grobmotorische, feinmotorische, visuell-motorische, motorische Planungs- und zweihändige Koordination sowie die physische Ausdauer zu beurteilen.

Dies sind weitere Bewertungsverfahren, die ein Bewerter wählen kann, wenn er es mit einem bestimmten Problem bei einem Kind zu tun hat. Man sollte aber festhalten, daß, wenn einige dieser Bewertungsverfahren nicht zur Beurteilung der zugrundeliegenden Komponenten der sensorischen Integrations- und Praxis-Probleme entwickelt worden sind, die Ergebnisse dieser Tests mit Vorsicht zu verwenden sind.

Man sollte sich auch daran erinnern, daß die Verwendung eines formellen Tests insbesondere dann mit Vorsicht zu betrachten ist, wenn es um den Test von Menschen aus dem autistischen Spektrum geht. Die Verwendung bestimmter formeller Tests muß nicht immer einen direkten Bezug zu der Alltagswelt des Betroffenen haben, und daher kann es sein, daß Menschen mit Autismus nicht ihre optimalen Fähigkeiten zeigen können. Außerdem sollte man, wenn der Betroffene nicht in der Lage ist, formalisierten Testverfahren zu entsprechen, auf informelle Testverfahren zurückgreifen.


Informelle Verfahren und Hilfsmittel

Informelle Verfahren und Hilfsmittel umfassen Beobachtungen, die der/die Testende macht, die Verwendung von Checklisten oder Bestandsaufnahmen sowie von Gesprächen mit der Familie und/oder dem/der zu testenden Betroffenen. Informelle Verfahren bieten oft Informationen beschreibender Art, die dann verwendet werden können, um Strategien zu entwickeln, mit denen problematische Verhaltensweisen begegnet werden kann.

Informelle Beobachtungen können in einer halb-strukturierten oder nicht-strukturierten Umgebung unternommen werden. Ein/e Therapeut/in oder ein/e Fachpsychologe/in kann seine/ihre eigenen, auf sachkundiger, klinischer Beurteilung beruhenden Beobachtungsmethoden anpassen. Zu einer solchen sachkundigen, klinischen Beurteilung zu kommen, erfordert Zeit, Erfahrung und Übung.

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Klicken Sie auf die Links unten, um ein Beispiel für ein Formular zu sehen, das für einen informellen Test der sensorischen Integration während einer Beurteilung verwendet wird. Wenn Sie das PDF-Format wählen, benötigen Sie den kostenlosen Acrobat Reader von Adobe. (Um das Formular der OTA Sensory Modulation and Discrimination Evaluation (Beurteilung der Sensorischen Modulation und Unterscheidungsfähigkeit) zu bekommen, nehmen Sie Kontakt zur OTA in Watertown in den USA auf, Telefon in den USA: 617-923-4410 oder mailen Sie an infor@otawatertown.com).

OTA Beurteilung Doc

OTA Beurteilung PDF

Checklisten und Gespräche, die bei einem informellen Test verwendet werden, sind normalerweise detaillierter als jene, die beim ursprünglichen Identifizierungs- und Überweisungsprozeß verwendet werden. Es wird auch besonders angeraten, daß mehr als eine Checkliste verwendet wird. Beispielsweise sollten bei einem Kind im Schulalter Informationen durch den/die Klassenlehrer/in, die Sport-, Kunst und Musiklehrkräfte eigeholt werden, zusätzlich zu dem, was die Eltern beitragen. "Einfach nur eine Checkliste für eine Beobachtung in einer Umgebung zu verwenden, bringt wahrscheinlich keine genauen Informationen" (S. 44). (7)

Außerdem sollten, wenn informelle Beurteilungen für Jugendliche und Erwachsene mit dem Asperger-Syndrom verwendet werden, diese direkt befragt werden. Das Ausfüllen sachdienlicher Checklisten und die Einbeziehung in den Gesprächsprozeß ist entscheidend. Klicken Sie auf die Links unten, um ein Beispiel für eine sensorische Checkliste zu sehen, die vom jugendlichen oder erwachsenen Patienten ausgefüllt werden kann. Wenn Sie das PDF-Format wählen, benötigen Sie den kostenlosen Acrobat Reader von Adobe. (Um das Formular der OTA Sensory Modulation and Discrimination Evaluation (Beurteilung der Sensorischen Modulation und Unterscheidungsfähigkeit) zu bekommen, nehmen Sie Kontakt zur OTA in Watertown in den USA auf, Telefon in den USA: 617-923-4410 oder mailen Sie an infor@otawatertown.com).

Verlauf der Entwicklung/der Sensorik bei Erwachsenen und Jugendlichen

Entwicklungsverlauf Doc

Entwicklungsverlauf PDF

Testumgebungen für Menschen mit Asperger Syndrom

Der entscheidende Faktor für den Erfolg des Beurteilungsprozesses sind vermutlich die persönlichen Eigenschaften des/der Untersuchenden. Ein Schlüsselfaktor besteht darin, daß der/die Testende das Vertrauen von Kind und Familie gewinnt.

Betroffene mit dem Asperger Syndrom können allerdings eine besondere Herausforderung für den/die Untersuchende/n darstellen aufgrund der Kommunikationsprobleme und der Schwierigkeiten bei sozialen Beziehungen. Sie konzentrieren sich vielleicht nicht auf die relevanten Reize, oder sie antworten nicht auf typische Hinweise wie Augenkontakt oder Lächeln. Sie werden vielleicht auch abgelenkt oder richten ihre Aufmerksamkeit auf ein anderes Thema. Daher sollte man besonders auf eine angemessene Planung achten, um ein verläßliches Testverfahren für Menschen mit dem Asperger Syndrom zu gewährleisten.

Im folgenden werden Strategien aufgezeigt, die für die Verwendung durch den Untersuchenden empfohlen werden, um den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit dem Asperger Syndrom während der Testverfahren gerecht zu werden.

Der/Die Testende und der/die zu testende Betroffene sollten die Gelegenheit haben, sich einander vor der Testsituation vertraut zu machen.

Der/Die Testende sollte Informationen in bezug auf das Testverfahren bereitstellen, bevor der Test stattfindet. Beispielsweise könnte, bevor der Testraum betreten wird, eine Abfolge der Ereignisse im Detail erklärt werden.

Der/Die Testende sollte positive Verstärker benutzen, indem er/sie etwa dem/der zu testenden Betroffenen erlaubt, mit seinem/ihrem Lieblingsspielzeug zu spielen, nachdem eine bestimmte Anzahl an Testfragen bewältigt worden ist.

Bei einem formellen Test könnte der/die Testende dem/der Betroffenen eine Checkliste vorlegen, die nach jeder abgeschlossenen Aufgabe auszufüllen ist. Die Verwendung der Checkliste kann zu dem Gefühl führen, etwas geschafft zu haben, und sie kann eine Überleitung von einer Aufgabe zur nächsten bieten.

Der/Die Testende sollte bei Kindern Lieblingsspielzeuge bzw. Objekte oder Gesprächsthemen verwenden, die den Betroffenen besonders liegen, um dafür zu sorgen, daß diese sich möglichst wohlfühlen.

Außerdem wird die Verwendung eines besonderen sensorischen Umfelds empfohlen, das den Betroffenen beruhigt oder ihm dabei hilft, sich auf den Test zu konzentrieren. Dem Testenden sollte eine Reihe von sensorischen Aktivitäten und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die verwendet werden können.

Im folgenden werden einige Beispiele gegeben, wie man ein sensorisches Umfeld verwenden kann, um das Bewertungsverfahren zu unterstützen. Der/Die Testende kann eine ruhige Umgebung zur Verfügung stellen, in der die visuellen und akustischen Ablenkungen minimiert sind.

Der/Die Testende sollte kurze verbale Anweisungen verwenden, wenn möglich in langsamem Tempo, damit der Betroffene Zeit hat, die verbalen Anweisungen zu verarbeiten. Wenn derjenige Schwierigkeiten hat mit diesen Anweisungen, können auch einfache Gesten mit der Hand wirkungsvoller sein.

Der/Die Testende sollte nur begrenzten Augenkontakt verwenden, da einige Menschen mit Asperger Syndrom es nur schwer ertragen, wenn andere ihnen direkt in die Augen schauen.

Der/Die Testende kann Pausen beim Testen vorsehen, damit sich der/die Betroffene zwischenzeitlich etwas bewegen, umhergehen oder eine Kleinigkeit essen oder trinken kann.

Der/Die Testende kann auch ein Luftkissen zur Verfügung stellen, wenn der Test an einem Tisch erfolgt, damit die Nervosität reduziert wird und der/die Betroffene sich, wenn er/sie will, etwas bewegen kann.

Der/Die Testende kann auch etwas zu essen wie Kaugummis oder Knabberzeug während des Tests anbieten.

Der/Die Testende kann Spielzeug anbieten, das sich, zum Abbau der Nervosität, drücken oder strecken läßt, etwa einen Schaumstoffball, biegbare Drahtspielzeuge etc. Solche Spielsachen sind hilfreich, wenn das Kind, und sei es nur für kurze Zeit, warten muß, während der/die Testende sein/ihr Material vorbereitet, oder zwischen den Testabschnitten.

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Wir haben also verschiedene Schritte beim Bewertungsprozeß besprochen, die alle zur Entwicklung und Einführung eines Interventionsplans führen. In diesem Prozeß sollte man an verschiedene wichtige Punkte denken. Zuerst daran, daß diejenigen, die über Wissen aus erster Hand über den Betroffenen verfügen, wie etwa die Familie des Kindes und die Lehrkräfte, über Informationen verfügen, die für den Bewertungsprozeß wichtig sind. Zum zweiten kann keine Beurteilung vorankommen, wenn nicht die Ursachen für die Überweisung und der Verhaltensprobleme verstanden werden. Zum dritten ist eine Beurteilung nur so gut wie die Fähigkeit des/der Untersuchenden, die richtigen Fragen zu stellen und das optimale Verhalten des Betroffenen zu bewirken. Schließlich müssen, um die Ergebnisse im Lichte der sich stellenden Probleme richtig zu interpretieren, Informationen gesammelt werden, indem formelle und informelle Beurteilungen verwendet werden. Sobald der Beurteilungsvorgang abgeschlossen ist, können die Ziele bestimmt und Interventionsstrategien geplant werden.

In Modul III werden die sensorische Integrationstheorie, die Programmplanung und die Interventionsstrategien detaillierter besprochen werden.

Fragen, die die Bewertung, den Bewertungsprozeß, die Testverfahren und die Testumgebungen betreffen

Übung 5: Kontrollfragen für die Teile II und III

Welches sind die drei wichtigen Schritte beim Bewertungsprozeß?

Wo findet man einen Fachmann, etwa einen/ Ergotherapeute(i)n, der/die sensorische und motorische Probleme beurteilen kann?

Welches sind die drei wichtigsten Komponenten bei der Entwicklung eines Programmplans?

Welcher formelle Test ist der umfassendste Test, der für die Beurteilung der sensorischen Integration verwendet wird? Welches sind seine Vorteile, und wo hat er seine Grenzen?

Wann sollten informelle Testverfahren bei einem/r Betroffenen mit Asperger Syndrom verwendet werden?

Nennen Sie vier oder mehr sensorische Umgebungen, die verwendet werden können, um einem Menschen mit Asperger Syndrom dabei zu helfen, sich ruhiger und konzentrierter beim Testen zu fühlen.


Antworten zu den Kontrollfragen für die Teile II und III

Welches sind die drei wichtigen Schritte beim Bewertungsprozeß?

- Ursprüngliche Identifizierung und Überweisung
- Screening und/oder Beurteilung
- Programmplanung

Wo findet man einen Fachmann, etwa einen/ Ergotherapeute(i)n, der/die sensorische und motorische Probleme beurteilen kann?

Einen Fachmann findet man unter anderem, wenn es um Ergotherapeuten für Frühintervention geht, an öffentlichen Schulen (in Amerika), außerdem in der Abteilung für Ergotherapie im örtlichen Kinderkrankenhaus, in Privatpraxen, die im Telefonbuch stehen, oder im Internet.

Welches sind die drei wichtigsten Komponenten bei der Entwicklung eines Programmplans?

Ein vollständiger Programmplan sollte das aktuelle Leistungsniveau identifizieren, Ergebnisse vorhersagen und Richtungen für eine Intervention bieten.

Welcher formelle Test ist der umfassendste Test, der für die Beurteilung der sensorischen Integration verwendet wird? Welches sind seine Vorteile, und wo hat er seine Grenzen?

Der Sensorische Integrations- und Praxis-Test, SIPT.
Die Vorteile liegen darin, daß es sich um ein US-weit standardisiertes Hilfsmittel für Kinder im Alter von vier bis neun handelt. Innerhalb des Bereichs der Ergotherapie ist er einer der komplexesten und ausgeklügeltsten Tests, die es für Therapeuten gibt. Ein/e Ergotherapeut/in, der/die einen Abschluß in sensorischer Integration hat, hat eine fortschrittliche Ausbildung im Rahmenbereich der sensorischen Integration absolviert, einschließlich der Leitung und Interpretation des SIPT. Die Grenzen bestehen allerdings darin, daß der SIPT ein extensives Training und Kosten erfordert und daher als Bewertungshilfsmittel in einigen Umgebungen wie etwa einer öffentlichen Schule untauglich ist. Auch ist die Verwendung dieses Tests außerhalb Nordamerikas untauglich, weil dort die entsprechenden Normen nicht gültig sind.

Wann sollten informelle Testverfahren bei einem/r Betroffenen mit Asperger Syndrom verwendet werden?

Informelle Tests können verwendet werden, wenn formelle Tests keinen direkten Bezug zur Alltagswelt des Betroffenen haben. Außerdem sollte man, wenn der/die Betroffene nicht in der Lage ist, den formalisierten Tests zu entsprechen, auf informelle Testverfahren zurückgreifen.

Nennen Sie vier oder mehr sensorische Umgebungen, die verwendet werden können, um einem Menschen mit Asperger Syndrom dabei zu helfen, sich ruhiger und konzentrierter beim Testen zu fühlen.

Der/Die Testende kann eine ruhige Umgebung bereitstellen, in der visuelle und akustische Ablenkungen minimiert sind.

Der/Die Testende sollte nur begrenzten Augenkontakt verwenden, da einige Menschen mit Asperger Syndrom es nur schwer ertragen, wenn andere ihnen direkt in die Augen schauen.

Der/Die Testende kann ein Luftkissen anbieten, wenn der Test an einem Tisch erfolgt, um so die Nervosität zu minimieren oder dem Betroffenen, wenn er das will, etwas Bewegung zu ermöglichen.

Der/Die Testende kann auch etwas zu essen wie Kaugummis oder Knabberzeug während des Tests anbieten.

Der/Die Testende kann Spielzeug anbieten, das sich, zum Abbau der Nervosität, drücken oder strecken läßt, etwa einen Schaumstoffball, biegbare Drahtspielzeuge etc. Solche Spielsachen sind hilfreich, wenn das Kind, und sei es nur für kurze Zeit, warten muß, während der Testende sein Material vorbereitet oder zwischen den Testabschnitten.

Literatur zu Modul II

1. Kranowitz Stock, C. (1998). The out of sync child: Recognizing and coping with sensory integration dysfunction. New York: Skylight Press.

2. Williams, M.S. and Shellenberger, S. (1994). How does your engine run? A leader’s guide to the alert program for self-regulation. Albuquerque, NM: Therapy Works.

Siehe auch www.alertprogram.com

3 . Swinth, Y. and Mailloux, Z., eds. (2002).Addressing sensory processing in the schools. OT Practice. 7, 8-13.

4. Tryon, P. (1995). A Professional and Personal View on OT in the School and OT in Private Practice Setting. OTA Newsletter, Winter: 2.

5. Haron, M. (1999). Understanding sensory integration dysfunction. Twins, Nov./Dec. 38-39.

6. Grandin, T. (1995). Thinking in pictures and other reports from my life with autism. New York: Vintage Books.

7. Smith Myles, B, Tapscott Cook, K., Miller, N.E., Rinner, L. and Robbins, L.A (2000) Asperger syndrome and sensory issues: practical solutions for making sense of the world. Shawnee Mission, Kansas: Autism Asperger Publishing Co.

8. Kranowitz, Stock C., Szklut, S., Balzer-Martin, L., Haber, E., and Sava, D. I. (2002). Answers to Questions Teachers Ask About Sensory Integration, (Second Edition). Las Vegas: Sensory Resources LLC.

Siehe auch www.SensoryResources.com.

9. The American Occupational Therapy Association. (AOTA, Inc.)
4720 Montgomery Lane
PO Box 31220
Bethesda, MD 20824-1220

Telefon in den USA: 301-652-2682
Web: www.aota.org

10. www.otawatertown.com

11. Bundy, A. C., Lane, S.J., and Murray, E.A. (2002) Sensory integration theory and practice. (Second Edition) Philadelphia: F.A. Davis Company.

12. Western Psychological Services (WPS)
12031 Wilshire Blvd.
Los Angeles, CA 90025-1251
Telefon: 310-478-2061
Web: www.wpspublish.com

13. Greenspan, S. I. (1996). Assessing the emotional and social functioning of infants and young children. In S.J. Meisels & E. Fenichel (Eds.), New visions for the developmental assessment of infants and young children (pp. 11-26). Washington, DC: National Center for Infants, Toddlers, & Families.

14. Dunn, W. (1999). Pediatric occupational therapy. New Jersey: Slack Incorporated.


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