Therapien


Nun hat man es also schwarz auf weiß, die Diagnose "Asperger Syndrom". Wie geht es nun weiter, fragen sich viele in dieser Situation. Eine andere beliebte Frage - insbesondere von Großeltern - ist: "Und was kann man jetzt dagegen tun?"

Dagegen etwas tun bzw. das Syndrom "heilen" kann man nicht. Es macht also wenig Sinn, nach einer Wunderdroge oder einem Wunderheiler zu forschen, damit man selbst oder das betroffene Kind quasi über Nacht ein normaler Mensch wird. (Nebenbei: was ist schon "normal"?)

Aber es gibt Möglichkeiten, bestimmte Probleme, die mit dem Asperger Syndrom zusammenhängen, besser in den Griff zu bekommen. Man kann Strategien entwickeln, wie man Defizite kompensieren und besser mit sich selbst und den eigenen Stärken und Schwächen umgehen kann.

In diesem Sinne sind Therapien zu verstehen, die mitunter für das Asperger Syndrom angeboten werden. Mitunter deshalb, weil z.B. nicht jede Ergotherapiepraxis sich damit auskennt und Angebote für Betroffene hat. Je nachdem, wo man lebt, kann das Angebot an Therapien ganz unterschiedlich aussehen.

Folgende Therapien werden besonders oft bei Menschen mit Asperger Syndrom eingesetzt:

1. Ergotherapie: kann in der Praxis oder als Hausbesuch durchgeführt werden und verschiedene Bereiche umfassen. So kann man für sensorische Schwierigkeiten sensorisches Integrationstraining erhalten oder Fähigkeiten erlernen, die für ein selbstbestimmtes Leben wichtig sind (wie Kochen, Wohnung sauberhalten). Ergotherapie wird für Kinder und für Erwachsene angeboten (in der Praxis nachfragen, manche Praxen bieten Ergotherapie nur für Kinder an).

2. Soziales Kompetenztraining: dient zum Erwerb besserer sozialer Fähigkeiten und wird von manchen Autismuszentren angeboten. Wer kein autismusspezifisches Angebot in der Nähe hat, kann vielleicht von einem allgemeinen sozialen Kompetenztraining profitieren, das oft von psychiatrischen Institusambulanzen und ähnlichen Einrichtungen angeboten wird.

3. Betreutes Wohnen (ambulant oder stationär): die Betreuung ermöglicht es Betroffenen, in einer Autismuseinrichtung - einem Heim oder Internat oder ähnlichem - zu wohnen. Oder sogar selbständig in einer eigenen Wohnung (bei der ambulanten Betreuung). Die Betreuung unterstützt in allen Lebensbereichen, in denen Hilfe notwendig ist, z.B. im Umgang mit Behörden, bei der Freizeitgestaltung, dem Knüpfen sozialer Kontakte usw. Diese Form der Betreuung ist freiwillig und nicht mit gesetzlich verordneter Betreuung zu verwechseln.

4. Therapien mit Tieren: besonders bekannt ist die Delphintherapie, die gern bei Autisten eingesetzt wird. Vor allem bei frühkindlichen Autisten, aber auch Menschen mit Asperger Syndrom profitieren davon. Die Delphintherapie ist meistens sehr teuer, mit großem Aufwand verbunden und nur für bestimmte Zeitabschnitte erhältlich (einmal im Jahr zwei Wochen oder noch seltener). Die Hippotherapie oder therapeutisches Reiten können öfter angewandt werden und dienen insbesondere der Verbesserung motorischer Fähigkeiten. Quasi als eine Art "Eigentherapie" kann man sich auch ein Haustier anschaffen, je nach Vorliebe z.B. einen Hund oder eine Katze - ein eigenes Tier hat bei betroffenen Kindern und Erwachsenen schon manche "Wunder" bewirkt.

5. Schulische Begleitung bzw. Arbeitstraining: sollen die Integration Betroffener in das schulische bzw. berufliche Leben ermöglichen. Manche Betroffene kommen in Schule und/oder Beruf allein zurecht, andere nicht. Für diese gibt es Möglichkeiten, eine Begleitung für den Schulunterricht zu erhalten bzw. ein Training für bessere berufliche Chancen. Berufsförderungswerke bieten auch Ausbildung für Menschen mit Behinderungen an.

Des weiteren gibt es noch Angebote wie Musiktherapie, Sporttherapie, homöopathische Behandlungen, Verhaltenstherapie u.ä. Manche Therapien werden von den Krankenkassen oder staatlichen Stellen finanziert, andere muß man selber bezahlen. Sinnvoll ist es auf jeden Fall, mit der Anlaufstelle, die die Diagnose erstellt hat, über nachfolgende Behandlungen und Therapien zu sprechen.



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