Beschreibung


Das Asperger Syndrom ist eine Behinderung, die zum Autismusspektrum gerechnet wird.
Ca. 0,5 - 2% aller Menschen sind vom Asperger Syndrom betroffen. Die Ursachen
sind noch nicht geklärt. Eine Vererbung scheint wahrscheinlich zu sein, da das
Asperger Syndrom bzw. Autismus in Familien gehäuft auftreten kann. Außerdem wird
vermutet, daß ein erhöhter Testosteronspiegel in der mütterlichen Gebärmutter zu
Autismus oder Asperger Syndrom beim ungeborenen Kind führen kann. Das Verhältnis
betroffener Jungen/Männer zu Mädchen/Frauen beläuft sich auf 4:1. Bei Mädchen
äußert sich das Asperger Syndrom meistens versteckter, so daß sie noch mehr als
Jungen Gefahr laufen, unentdeckt und undiagnostiziert zu bleiben.

Da das Asperger Syndrom in weiten Kreisen der Ärzteschaft unbekannt ist und
früher noch unbekannter war, laufen sehr viele Aspies ohne Wissen ihrer Behinderung
oder ohne offizielle Diagnose durchs Leben. Prof. Simon Baron-Cohen schätzt, daß
fast alle Menschen, die vor 1980 in Großbritannien geboren wurden und das Asperger
Syndrom haben, während ihrer Kindheit und Jugend nicht diagnostiziert wurden.
Dasselbe dürfte sicherlich auch auf Deutschland zutreffen.

Menschen mit Asperger Syndrom fallen jedoch immer irgendwie auf und erleben sich
selber als "anders". Manche befanden oder befinden sich in psychologischer oder
psychiatrischer Behandlung, ohne daß das Fachpersonal ihre autistische Behinderung
entdeckt. Aus Unkenntnis werden andere Diagnosen zu Hilfe genommen. Ole Jørgensen
vermutet, daß viele Aspies als Borderliner fehldiagnostiziert werden. Möglich ist
auch die Diagnose der schizoiden Persönlichkeitsstörung. Der Unterschied zwischen
dieser und dem Asperger Syndrom ist, daß ein schizoider Mensch ohne AS soziale
Regeln kennt und versteht, sie aber bewußt nicht anwendet. Ein Aspie versteht
sie nicht. Manche Fachleute halten allerdings das Asperger Syndrom und eine
schizoid-anankastische Persönlichkeitsstörung für Synonyme derselben Sache.

Das Asperger Syndrom unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus in einigen
wichtigen Punkten. Menschen mit AS haben gewöhnlich eine normale oder hohe allgemeine
Intelligenz und fallen bis zu ihrem 3. Lebensjahr kaum auf. Frühkindliche Autisten
haben oft eine verminderte allgemeine Intelligenz, und der Autismus läßt sich
bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter erkennen. Die Sprachentwicklung scheint
sich auch bei beiden Autismus-Varianten zu unterscheiden. Frühkindliche Autisten
mit normaler oder hoher Intelligenz (was auch vorkommt) nennt man hochfunktionierende
Autisten. Manche Fachleute sehen kaum Unterschiede zwischen dem hochfunktionierenden
Autismus und dem Asperger Syndrom, andere halten beide Autismusarten für verschiedene
Behinderungen. Es ist auch noch nicht geklärt, ob es sich beim Asperger Syndrom
um eine Variante des Autismus handelt oder um eine eigenständige Erscheinung
mit eigenem Spektrum.


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